WLAN-Navigationssystem leitet Nürnberger Fußgänger
Bei dem Pilotprojekt werden die Signalstärken kommerzieller und privater WLAN-Sender ausgewertet. Unterdessen wurde bekannt, dass TomToms High Definition Traffic noch in diesem Jahr in Deutschland verfügbar sein soll.
Wo finde ich eine Apotheke? Wie kann ich ein Taxi rufen, wenn ich nicht genau weiß, in welcher Straße ich bin? Die Orientierung in einer fremden Stadt ist oft nicht einfach. Als erste deutsche Stadt hat Nürnberg am Montag ein spezielles Navigationssystem für Fußgänger bekommen. Das Pilotprojekt des Erlanger Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS nutzt dafür WLAN, das in vielen Städten inzwischen zahlreich vorhanden ist. Der großflächige Test soll die Grundlagen für eine Standardortung mit WLAN-Hilfe in Städten liefern, wie das Institut mitteilte.
Die WLAN-Ortung ist als Alternative zum satellitengestützten Global Positioning System (GPS) gedacht, das nach Institutsangaben zu ungenau ist, um Fußgänger durch enge Innenstädte, Gebäude oder U-Bahn-Stationen zu navigieren. Das Projekt soll im März auch auf der Computermesse CeBIT in Hannover vorgestellt werden.
Mit Hilfe der Funknetze und eines speziell programmierten Minicomputers (PDA) oder intelligenten Handys (Smartphone) sollen Fußgänger ihre Position auf wenige Meter genau bestimmen können. "Dabei machen wir es uns zunutze, dass Städte sehr gut mit WLAN-Netzen ausgestattet sind und dass immer mehr Handys WLAN-fähig sind", erläuterte der Leiter der Abteilung Kommunikationsnetze am IIS, Jürgen Hupp, in einer Mitteilung. So befänden sich in der Nürnberger Innenstadt durchschnittlich 2000 WLAN-Sender pro Quadratkilometer. Dies ermögliche in Gebäuden eine Ortung mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von drei Metern und im Freien von sieben bis zehn Metern, erklärte Hupp.
Dafür nutzt das System die Signalstärke der WLAN-Basisstationen, die an verschiedenen Referenzpunkten der Stadt gemessen wird und auf einem zentralen Computer hinterlegt ist. Es berücksichtigt sowohl kommerzielle Funknetze als auch private WLAN-Sender, funktioniert ohne Anmeldung am Datennetz und beim Zugriff darauf. Die Ortsinformation sei daher nur auf dem jeweiligen Endgerät verfügbar, betont Hupp. "Der Nutzer kann also nicht von außen lokalisiert werden." Der Anwender könne zudem frei entscheiden, ob er weitere Serviceangebote wie etwa den Taxiruf oder einen Apothekenfinder nutzt.
Um das System in der Praxis zu testen, stellt das IIS den Angaben zufolge in Nürnberg die Technik zur Lokalisierung auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern zur Verfügung. Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft würden ortsabhängige Dienste entwickelt und unter realen Bedingungen untersucht.
Unterdessen hat heute der niederländische Anbieter von Navigationslösungen TomTom eine exklusive Zusammenarbeit mit Vodafone Deutschland bekannt gegeben, um den Dienst "High Definition (HD) Traffic" in Deutschland anbieten zu können. Zu den finanziellen Konditionen wurden keine Angaben gemacht. HD Traffic ist ein neues Verkehrsinformationssystem von TomTom, das aktuelle Informationen liefern und damit verbesserte Angaben zur Reisedauer ermitteln soll. Es wird erwartet, dass HD Traffic in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2008 für TomTom-Kunden verfügbar sein wird.
TomTom verwendet verschiedene Quellen, um Verkehrsinformationen für wichtige Verkehrsstraßen in Deutschland bieten zu können – dazu gehören neben dem Autobahnnetz nun auch vielbefahrene Bundesstraßen und Straßen in Ballungsgebieten. Die von TomTom entwickelte Technologie verwendet Daten aus dem deutschen Vodafone-Netz, die Auskunft darüber geben, wie schnell und in welche Richtung sich die Mobiltelefone bewegen. Diese Daten kombiniert TomTom mit Verkehrsinformationen aus anderen Quellen für den Verkehrsinformationsservice TomTom HD Traffic. TomTom HD Traffic wird in den Niederlanden bereits angeboten. (dpa) / ()