Telefonica bekommt EU-Beschwerde wegen Breitband-Geschäft
Dem spanischen Konzern wirft die EU-Kommission vor, den heimischen Breitband-Markt durch überhöhte Großhandelspreise abzuwürgen. Durch "margin squeeze" bliebe Wiederverkäufer kaum Spielraum für attraktive Angebote.
Der spanische Telecom-Konzern Telefonica ist wegen einer angeblich unfairen Preispolitik bei breitbandigen Internet-Anschlüssen in das Visier der EU-Wettbewerbshüter geraten. Die EU-Kommission eröffnete am Mittwoch laut dpa ein Verfahren gegen das Unternehmen. Die Behörde wirft Telefonica vor, Mitbewerber auf ihrem spanischen Heimatmarkt zu übervorteilen: Diese müssten für den Weiterverkauf von Internet-Anschlüssen Preise bezahlen, die annähernd auf dem Niveau der Endkundenpreise lägen, schrieb die Kommission. Diese auch als "margin squeeze" bezeichnete Methode eines marktbeherrschenden Unternehmens lässt kleineren Konkurrenten kaum Spielraum für attraktive Angebote.
Telefonica ist der einzige Anbieter, der über eine landesweite technische Infrastruktur für Breitband-Anschlüsse verfügt. Der Konzern hat nun zwei Monate Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, muss das Unternehmen mit empfindlichen Geldbußen rechnen. Laut einem Bericht der Financial Times (FT) liegen die Großhandelspreise für Breitband-Anschlüsse in Spanien deutlich über dem EU-Durchschnitt, während der Versorgungsgrad mit Breitand-Anschlüssen unter den europäischen Durchschnitt gefallen ist. Die FT zitiert einen Telefonica-Sprecher mit der Stellungnahme, dass die spanischen Regulierungsbedingungen einen Missbrauch bei Großhandelspreisen im Breitband-Geschäft erschweren würden und sich sein Unternehmen korrekt verhalten habe.
Dem Bericht zufolge kann die Kommission bei Wettbewerbsverstößen Strafgelder in einer Höhe von bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes des betroffenen Unternehmens verhängen. Der nach Börsenwert aktuell zweitgrößte Telecom-Konzern der Welt hatte 2005 fast 654 Millionen Euro umgesetzt und seinen Nettogewinn auf knapp 127 Millionen Euro gesteigert. (ssu)