Schmalensee: Linux "fürchterliche Bedrohung" für Microsoft

Nach Auffassung des letzten Entlastungszeugen im Anti-Trust-Prozeß ist Microsoft kein Monopolist.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Nach Auffassung des letzten Entlastungszeugen im Anti-Trust-Prozeß ist Microsoft kein Monopolist, sondern muß seine Marktmacht im freien Wettbewerb behaupten. Dabei, so Richard Schmalensee, stellen die Open-Source-Bewegung und das Betriebssystem Linux eine "fürchterliche Bedrohung" für Microsofts Marktanteil bei Betriebssystemen dar. Bereits bei seinem ersten Auftritt als Zeuge im Anti-Trust-Prozeß hatte Schmalensee für Linux eine Wachstumsrate von 960 Prozent attestiert, um so die Gefahr für Windows zu belegen. Mit griffigen Beispielen aus dem täglichen Leben versuchte Schmalensee nun den Richter erneut davon zu überzeugen, daß Microsoft kein Monopol im Betriebssystem-Markt besitze: Statt in direkten Wettbewerb zu treten, hätte die Konkurrenz sich nur über die Marktmacht von Microsoft beklagt. "Das ist so, als ob ich ein Lebensmittelgeschäft besitze und Sie sich darüber beschweren, daß es schwer ist, mit mir zu konkurrieren, statt einen eigenen Laden zu bauen", erklärte Schmalensee. Seine Analogie führte Richter Thomas Penfield Jackson allerdings wieder auf falsche Bahnen: "Wenn Ihr Wettbewerber einen kleinen Laden baut, bauen Sie einen Supermarkt", argumentierte der Richter.

Unterdessen hat Bristol Technologies im privaten Kartellverfahren gegen Microsoft zum ersten mal den durch Microsofts Geschäftspolitik entstanden Schaden beziffert. Zwischen 130 und 263 Millionen Dollar sollen Bristol entgangen sein, weil die Firma ihre Produkte nicht rechtzeitig an neue Windows-Versionen anpassen konnte. Der Bristol-Prozeß wird voraussichtlich noch bis Ende Juli andauern. (wst)