GSMA will Internet-Filter gegen Kinderpornos

Mobilfunknetzbetreiber wollen gemeinsam gegen die Verbreitung von Kinderpornografie über ihre Netze vorgehen und setzt dabei auf Sperren für einschlägige Adressen.

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Mit Filtern auf DNS-Ebene möchte die von der GSM Association (GSMA) ins Leben gerufene "Mobile Alliance Against Child Sexual Abuse" gegen Darstellungen von sexuellem Missbrauch von Kindern im Internet zu Felde ziehen. Die Liste der zu sperrenden Domains solle von "geeigneten Einrichtungen" erstellt werden. Das sollen je nach Teilnehmerland entsprechende Initiativen wie die britische Internet Watch Foundation oder die zuständigen Behörden sein.

Die GSMA stellt in Barcelona ihre Allianz gegen Kinderpornografie vor.

Zu den geplanten Maßnahmen gehören auch die schnelle Entfernung von einschlägigem Material auf von Mobilfunk-Anbietern gehosteten Webservern sowie die Einrichtung von Hotlines, bei der verdächtige Internetangebote gemeldet werden können und entsprechende Prozesse bei den Netzbetreibern. "Als verantwortungsvolle Industrie müssen wir jetzt tätig werden", sagte GSMA-Vorsitzender Craig Ehrlich, der die Verwendung mobiler Internetzugänge zur Übertragung von Kinderpornographie verhindern möchte. Bisher hat die Branche allerdings noch keine Daten über die das Ausmaß der Verbreitung von Kinderpornografie über Mobilfunknetze. Es gebe Hinweise, dass es sich noch um "ein relativ überschaubares Problem" handele, teilte ein GSMA-Sprecher auf Anfrage mit.

Zu den Gründungsmitgliedern der Initiative zählt eine Reihe internationaler Mobilfunknetzbetreiber aus über 50 Ländern sowie die dotMobi-Domainregistry. Der Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic, der Vorsitzender des Public Policy Komitees der GSMA ist, rief alle Netzbetreiber dazu auf, sich zu beteiligen. Wichtig sei noch, das juristische Risiko für die potenziellen Teilnehmer zu reduzieren. Es gäbe zudem noch immer Länder, die Kinderpornographie nicht verboten hätten oder die Verbote nicht umsetzen würden.

Morten Karlsen Sorby von Telenor berichtete, dass eine Interpol-Datenbank 200.000 Bilder von 20.000 Kindern umfasse. Mehr als die Hälfte der Kinderporno-Angebote im Netz sei kommerziell. Im norwegischen Festnetz sei bereits 2004 in Zusammenarbeit mit der nationalen Polizeibehörde und der Organisation Save the Children ein Filter installiert werden. Von zunächst 274 gesperrten Sites sei die Sperrliste inzwischen auf 5300 Adressen angewachsen. Trotzdem werden in Norwegen nur 15.000 Hits pro Tag gezählt. 2005 wurde die Sperre auch auf die Mobilfunknetze erweitert. Seither wurden damit aber gerade einmal 26.000 Hits verhindert.

EU-Kommissarin Vivian Reding betonte, dass alle EU-Institutionen die neue Allianz unterstützten. Reding möchte zusätzlich aber auch verhindern, dass Kinder auf für sie ungeeignetes Material im Netz zugreifen können. "Wir müssen den Eltern die Kontrolle geben", sagte Reding, "Die Netzbetreiber haben die Pflicht, die Kinder ihrer Kunden zu schützen." Sorby pflichtete bei und berichtete von Werkzeugen zum Schutz der Kinder und zur kontrollierten Internetnutzung, wozu etwa eine Positivliste von Websites gehöre. Reding möchte auch den Informationsfluss zwischen Interpol, Europol und nationalen Behörden verbessern, um die Sperrlisten zu optimieren.

ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré wünscht sich, dass durch die Initiative die Freiheit zum Zugriff auf "gute" Information nicht beschränkt werde. Das Thema Cybersecurity dürfe nicht dazu zu missbraucht werden, andere Informationen zu blockieren oder in die Privatsphäre der Nutzer einzudringen. "Wir verurteilen es, Bürger von Inhalten abzuschneiden. Sicherheit sollte nicht dazu dienen, Information zu blockieren." Kinderpornografie sei allerdings "ein Verbrechen, mit dem wir anfangen können." Eine globale Allianz gegen Kinderpornographie sei wichtig, weil die Kriminellen sonst am schwächsten Glied angreifen würden. Gleichzeitig verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck, dass in Zukunft auch andere Verbrechen auf diese Weise bekämpft werden könnten. (Daniel AJ Sokolov) / (vbr)