Openet: Billing-Systeme sind tot

Die Mobilfunk-Netzbetreiber müssten vermeiden, zu Betreibern reiner Übertragungsleitungen zu verkommen, meint der Chef von Openet. Die Firma bietet Software, die Nutzungsdaten aus dem Netz aufbereitet und vorbeurteilt.

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"Billing-Systeme sind tot." Mit dieser Ansage lässt Niall Norton, CEO der irischen Firma Openet, auf dem Mobile World Congress aufhorchen. Die Zahl der zu verarbeitenden Transaktionen werde sich in Mobilfunknetzen innerhalb von zwei Jahren je nach Netz verdreifachen bis verzehnfachen. Diesem explosionsartigen Wachstum, das durch die verstärkte Nutzung von Datenübertragung und allerlei möglichen Zusatzdiensten ausgelöst wird, seien klassische Billing-Systeme nicht gewachsen. Ganz uneigennützig erscheint diese Einschätzung allerdings nicht: Zufälligerweise hat Openet Software im Angebot, die zwischen der IT und dem Netzwerk platziert wird und die Billing-Systeme entlastet, in dem die Nutzungsdaten aus dem Netz aufbereitet und vorbeurteilt werden.

Außerdem könne mit Hilfe seiner Systeme die Zeit, die bis zum Launch eines neuen Produkts vergehe, wesentlich verkürzt werden, meint Norton. Der Zeit- und Investitionsaufwand für die Anpassung der Billing-Systeme falle nämlich weg. Und laufend neue Produkte herauszubringen, ist aus Nortons Sicht die Zukunft der Branche. Die Netzbetreiber müssten vermeiden, zu Betreibern reiner Übertragungsleitungen zu verkommen. Denn in diesem Bereich seien die ökonomischen Aussichten alles andere als rosig. Die allgemein sinkenden Tarife würden zusätzliche Einnahmen aus neuen Diensten unabdingbar machen. Dabei werde sich die Branche verändern. "Es ist nicht wirklich Telecom. Es ist nicht wirklich Unterhaltung. Wir wissen nicht, was es ist", meint der Manager.

"Es gibt eine überwältigende Bewegung in den Märkten hin zu Abonnement-Services, wo mit einer monatlichen Gebühr alle Basisleistungen abgegolten werden. Genau wie bei den Kabel-TV-Anbietern", erklärte Norton. Netzqualität- und -abdeckung seien kein Unterscheidungsmerkmal mehr, sondern es komme auf die Auswahl und Qualität von Inhalten an. Und anstatt wie bisher Inhalte einzukaufen und sie dann den eigenen Kunden anzubieten, liege die Zukunft in der Zusammenarbeit mit möglichst vielen Inhalteanbietern und deren Beteiligung am Umsatz. Das "Walled garden"-Konzept, bei dem der Kunde nur auf vom Netzbetreiber ausgewählte Dienste zugreifen konnte, habe versagt.

Entscheidend für den Erfolg beim Vertrieb von neuen Inhalten sei die Kundensegmentierung: Den richtigen Kunden müssten die richtigen Dienste angeboten werden: "Was 10- bis 15-Jährige wollen, ist komplett unterschiedlich von dem, was 30- bis 35-Jährige möchten." Außerdem müssten die Netze intelligent werden. Statt jede Datenübertragung gleichartig zu verrechnen, solle etwa beim Kauf einer Musikdatei der nachfolgende Download kostenfrei sein. Und wenn der Download unterbrochen werde, etwa weil der Kunde in einen Tunnel einfährt, darf der nachfolgende zweite Download-Versuch nicht erneut in Rechnung gestellt werden.

Generell erwartet Norton, dass sich der Markt weg vom Kauf von Dateien und Programmen hin zu Miet- und Abo-Modellen entwickle. Jedenfalls aber dürfe sich die Preisfestsetzung nicht mehr an Kosten plus Gewinnspanne orientieren. Entscheidend für den Preispunkt müsse sein, welchen Wert der Kunde dem jeweiligen Angebot beimisst. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)