MBMS erweitert Mobilfunknetze um Broadcast- und Unicast-Anwendungen
Ericsson hat Abnehmer für die Netzerweiterung Multimedia Broadcast/Multicast Service (MBMS) gefunden, die neben Videostreams auch Reklame oder Alarmmeldungen an alle Teilnehmer im Netz verteilen kann.
Der schwedische Telecom-Ausrüstzer Ericsson hat Abnehmer für die von ihm seit Langem beworbene Netzerweiterung Multimedia Broadcast/Multicast Service (MBMS) gefunden. Noch in diesem Jahr werden die ersten Carrier MBMS implementieren, erläuterte ein Produktmanager auf dem Mobile World Congress in Barcelona, wollte aber weder Namen der Carrier noch Länder nennen, in denen der Dienst startet, der neben "pushed content" wie Audio- oder Videostreams zum Beispiel auch Reklame oder Alarmmeldungen an mehrere oder alle Teilnehmer im Netz gleichzeitig verteilen kann.
MBMS lässt sich sowohl in UMTS- als auch in GSM-/EDGE-fähigen Netzen implementieren. Abhängig von Alter und Hersteller der vorhandenen Sendetechnik genügt laut Ericsson häufig schon ein Software-Upgrade in den Mobilfunkstationen. Ein Anwendungsszenario sind Handy-TV-ähnliche Dienste. Zwar sinkt die verfügbare Bandbreite einer Zelle pro Nutzer mit der Anzahl der Empfänger eines Videostreams – doch dieser Nachteil gegenüber einem Rundfunkverfahren wie DVB-H ist nicht erheblich. MBMS besitzt den Charme, ohne neue Sendeinfrastruktur auszukommen und womöglich brachliegende Sendekapazität ausnutzen zu können. Allerdings kommen die Kunden nicht umhin, sich ein MBMS-fähiges Handy anzuschaffen – doch bislang hat keiner der Hersteller ein solches marktreifes Gerät im Angebot.
Um den auf dem MWC zahlreich vertretenen Mobilfunkanbietern MBMS schmackhaft zu machen, hat Ericsson nicht nur neu gestaltete MBMS-Prototypen mitgebracht. Diese erinnern gegenüber ihren klobigen Vorläufern, die trotz Lüfter auch als Taschenofen hätten dienen können und zu Systemabstürzen neigten, in Design und Menüführung erstmals Serien-Handys. Auch bei den MBMS-Anwendungen haben die Schweden nachgelegt und zeigen zum Beispiel eine Broadcast-Alarmierung, die an alle Teilnehmer in einem bestimmten Gebiet versandt werden kann und die sich optisch und akustisch deutlich bemerkbar macht und gegebenenfalls laufende Videostreams oder Telefonate unterbricht. Noch verführerischer aus Anbietersicht könnte indes die gleichfalls als pushed content verteilbare Reklame werden, deren Spektrum vom harmlosen Bildschirmschoner bis zu nervtötenden Multimdia-Streams reicht. (ssu)