Hexal-Gründer investieren in InterComponentWare
Die Gebrüder Strüngmann, bekannt als Gründer des Generika-Anbieters Hexal, investieren 100 Millionen Euro in den Medizin-Telematik-Spezialisten InterComponentWare. Das Unternehmen entwickelt Software für die Führung von elektronischen Gesundheitsakten.
Die Gebrüder Strüngmann, bekannt als Gründer des Generika-Anbieters Hexal, investieren in die Medizin-Telematik. Über ihre Santo Holding haben sie sich eine Beteiligung von 25 Prozent an der InterComponentWare (ICW) gesichert. Die SAP-Ausgründung erstellt Software für die Führung von elektronischen Gesundheitsakten, wie sie von der Barmer für ihre Versicherten angeboten wird und ist in Bulgarien maßgeblich am Test einer elektronischen Gesundheitsakte beteiligt. Gemeinsam mit Cisco Systems hat ICW einen Konnektor für das deutsche Gesundheitskarten-System entwickelt.
Nach Angaben von ICW erfolgt die Beteiligung der Santo Holding über den Kauf neuer Aktien, die mit einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden. Mit einem Umfang von 100 Millionen Euro ist das Investment in ICW das bislang größte Investment in einen eHealth-Anbieter weltweit. Für ICW war dabei ausschlaggebend, dass Thomas und Andreas Strüngmann keine Anteile mehr an Hexal oder am Hexal-Käufer Novartis besitzen. "Wir sind und bleiben definitiv unabhängig von Pharmainteressen und werden nie Daten an die Pharmaindustrie oder andere Dritte geben", erklärte ICW-Pressesprecher Dirk Schuhmann gegenüber heise online. Auch die Barmer dürfe zwar die angelegten Gesundheitsakten ihrer Versicherten bezahlen und damit die Vorteile einer besseren Versorgung ernten, werde aber niemals Einblick in die Akten ihrer Versicherten bekommen, betonte Schuhmann.
Die neuen Investoren sind von der "offenen Plattform" der ICW überzeugt. "Die ICW hat mit ihren Vernetzungslösungen das Potenzial, die Gesundheitsversorgung national und international effizienter zu gestalten", heißt es in einer Erklärung der Strüngmann-Brüder. Man wolle mit der Investition den Vernetzungsprozess in der medizinischen Versorgung unterstützen und begleiten. Zum Portfolio ihrer Santo Holding gehören unter anderem die in der Krebsforschung tätige Medigene (PDF-Datei) sowie die in der HIV-Forschung tätige AICuris.
Das Investment der Gebrüder Strüngmann erfolgt wenige Tage nach der Einführung einer elektronischen Patientenakte in 46 Kliniken der Rhön-Klinikum AG. Diese Akten basieren auf der Soarian-Software von Siemens Medical Solutions. Nach eigenen Angaben wird Siemens mit der Akte und Siemens-Konnektoren die Marktführerschaft in Deutschland übernehmen.
Siehe dazu auch den Online-Artikel in c't – Hintergrund mit Links zur aktuellen und bisherigen Berichterstattung über die elektronische Gesundheitskarte und die Reform des Gesundheitswesens:
(Detlef Borchers) / (pmz)