Intendant der Deutschen Welle sucht Sponsoren für "deutsche Visitenkarte"
Der Jahresetat des Auslandssenders von derzeit rund 300 Millionen Euro ist überwiegend aus Steuern finanziert. Die DW bietet Radio- und Online-Inhalte in 30 Sprachen an. Fernsehprogramme werden auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch ausgestrahlt.
Der Intendant der Deutschen Welle, Erik Bettermann, wirbt um mehr Sponsoren für die Fernseh-, Radio- und Internetangebote des deutschen Auslandssenders. "Die Deutsche Welle ist nicht nur Sache der öffentlichen Hand, sondern eine gemeinschaftliche Aufgabe. Sie ist für Wirtschaft und Kultur von Bedeutung – als deutsche Visitenkarte nach draußen", sagte Bettermann ) in einem dpa-Gespräch. Der DW-Jahresetat von derzeit rund 300 Millionen Euro ist ganz überwiegend aus Steuern finanziert. Etwa 15 Prozent stammen aus Sponsoring, Werbung, Projektzuschüssen und EU-Mitteln. Diesen Anteil will Bettermann in seiner zweiten Amtszeit ausbauen. Er ist seit 2001 DW-Intendant und beginnt am 1. Oktober die neue Amtszeit, die bis 2013 dauert.
Zugleich strebt Bettermann mehr Verlässlichkeit für die Finanzierung durch den Bundestag an. "Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Rundfunkgebühren hat den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr Verlässlichkeit gebracht, und die wünsche ich mir auch." Mit dem Deutsche-Welle-Gesetz von 2004 sei man zwar ein gutes Stück vorangekommen. "Aber wir sind noch nicht weit genug." Positiv sei aber, dass die DW von Kürzungen im Rahmen der globalen Minderausgaben des Bundes verschont geblieben und für 2008 eine Etatsteigerung um vier Millionen Euro vorgesehen sei.
Im Programm macht sich nach Aussage Bettermanns vom nächsten Jahr an die Abmachung mit ARD und ZDF zum kostenlosen Austausch von TV- Programmen bemerkbar. "Wir gehen im Fernsehen dann mit sieben Sendeschienen stärker in die regionale Ausstrahlung", sagte Bettermann. Beiträge aus ARD und ZDF werden so zu Magazinen gebündelt, dass die Zuschauer beispielsweise in Nord- oder Südamerika, Afrika oder Asien jeweils zu ihrer Prime-Time Informationen über ihre Region bekommen. Die Filme bekommt die DW kostenlos, muss aber gegebenenfalls die Zusatzkosten für die weltweiten Senderechte übernehmen. Die DW bietet ihre Radio- und Online-Inhalte in 30 Sprachen an. Fernsehprogramme werden auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch ausgestrahlt.
Ein weiteres Ziel Bettermanns für die nächsten Jahre ist es, mehr über die Zielgruppen zu erfahren. "Wir richten uns vor allem an die Multiplikatoren, an die Info-Eliten in den jeweiligen Ländern. Wir analysieren jetzt für jedes Land, wie wir die erreichen. Hören Sie Radio, sehen sie Fernsehen, lesen sie im Internet, wollen sie Podcasts oder Video on Demand – darauf müssen wir uns einstellen." Für die DW-Journalisten habe das große Auswirkungen. Sie müssten künftig ihre Inhalte so recherchieren und aufbereiten, dass sie für alle Verbreitungswege nutzbar seien. (Jürgen Hein, dpa) / (jk)