UMTS-Basisstation fürs Büro
Femtozellen sorgen für schnelle Mobilfunkverbindungen in Gebäuden, stellen aber die Netz-Architekten vor neue Herausforderungen, da sie übers öffentliche Internet einen sicheren Weg zum Mobilfunk-Backbone aufbauen müssen.
Zur UMTS-Mobilfunkversorgung innerhalb von Gebäuden entwickelte Femtozellen zählen zu den Stars des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, der am Donnerstag zu Ende geht. Etablierte Infrastrukturanbieter haben sie ebenso im Angebot wie kleinere Spezialisten. Zahlreiche Hersteller bündeln ihre Interessen inzwischen im Femto Forum. In die Technik haben auch Internet-Größen wie Google oder Cisco investiert. Eine Präsentation des japanischen Elektronik-Herstellers NEC, dessen Femtozellen-Lösung nach Herstellerangaben in Kürze von O2 in Großbritannien vermarktet wird, verdeutlicht das Potenzial, aber auch die Herausforderungen, die die Integration der Zwergzellen in UMTS-Mobilfunknetze mit sich bringt.
Schon vorher gab es zur Verbesserung der Inhaus-Versorgung miniaturisierte Basisstationen (Picozellen). Diese brauchen jedoch Anschluss an den Backbone des Mobilfunknetzes. Femtozellen nutzen hingegen im Haus vorhandene öffentliche Internet-Zugänge, zum Beispiel via DSL oder Kabel-TV. Autorisiert und an den Backbone angebunden wird die Femtozelle durch das so genannte Femto-Gateway, entweder via SIP oder per Iu-over-IP. Dabei handelt es sich NEC zufolge um eine Weiterentwicklung des Generic Access Network (GAN), eine Standardisierung sei angestrebt. Der 3GPP-Standard GAN wurde für die Dual-Mode-Telefonie entwickelt und ermöglicht den Handover von Sprachtelefonaten, die teils übers Mobilfunknetz und teils per WLAN geführt werden können, ohne abzubrechen. Bekannt ist das Verfahren auch als Unlimited Mobile Access (UMA).
Darüber hinaus soll ein Femto Access Point Management System für die Verwaltung auch großer Zahlen von Femtozellen sorgen. Außerdem steckt in jeder Femtozelle von NEC, die die Kunden selbst aufstellen können, eine SIM-Karte. Dies soll verhindern, dass gestohlene Femtozellen andernorts weiterbetrieben werden können.
Ein weiterer Trick besteht darin, dass der IP-Verkehr, der über die Femtozelle zum Handy fließt, nicht vollständig über den Backbone des Mobilnetzes läuft. Dieser erweist sich nämlich zunehmend als Bremse für den Datenappetit, den HSPA-versorgte Kunden entwickeln. Ruft der Nutzer zum Beispiel ein Video bei Youtube ab, sorgt das Femto-Gateway dafür, dass der Datenstrom den Weg übers öffentliche Internet nimmt – IP-Breakout nennt NEC dieses Verfahren.
Die auf dem MWC vorgestellte Femtozelle erlaubt bis zu vier gleichzeitige Mobilfunkverbindungen, wobei NEC zufolge auch Sprache und Daten simultan übertragen werden. Gemeinsam mit Netgear kündigen die Japaner ferner einen Router an, der neben einer eingebauten Femtozelle auch eine WLAN-Basisstation enthält, die nach IEEE 802.11g funkt. (ssu)