Regierung Chinas will Online-Spiele weiter regulieren
Während sich gut die Hälfte der chinesischen Online-Spieler beim staatlich verordneten System zur Suchtvorbeugung registriert hat, sollen einheimische Spielehersteller für eine offizielle Zulassung künftig auf den Gehalt von Glücksspiel und Gewalt achten.
Seit Juli 2007 hat sich gut die Hälfte der 40 Millionen chinesischen Online-Spieler im Rahmen des staatlich verordneten Systems gegen Spielsucht registriert, etwa beim regionalen WoW-Betreiber The9. Das geht aus neuen Zahlen einer gemeinsamen Erhebung der Vereinigung chinesischer Spielehersteller und den amerikanischen Marktforschern IDC hervor. Das System soll unter anderem die Spielzeit, die Gamer vor dem Computer verbringen, begrenzen.
Der Vertreter der chinesischen Medienaufsicht GAPP (General Administration of Press and Publication), Kou Xiaowei, äußerte sich gestern auf einem Kongress der chinesischen Online-Spiele-Branche zu Gründen für Regulierungsmaßnahmen: die Industrie müsse bei ausbleibenden Regelungen unter dem schlechten Image leiden, das in der Bevölkerung über sie herrsche.
Als Schritte kündigte er laut China Daily an, bestimmte Spiele als "grüne" Spiele zu unterstützen. Spiele, die seiner Meinung nach zum Töten und zum Glücksspiel anregten, um die Attraktivität für Spieler und die Profite für die Hersteller zu erhöhen, sollen künftig stärkere Auflagen zur Zulassung erfüllen müssen.
Liu Bin, Chef-Analyst der Unternehmensberatung BDA China, sagte China Daily zufolge hingegen, dass die stärkere Regulierung die Branche nicht stark beeinträchtigen werde. Er denke nicht, dass die GAPP Spielehersteller kurzfristig davon abhalten könne, Glücksspielmechanismen in ihre Spiele einzubauen. Zu schwierig sei es, bei Hunderten von Spielen etwaige Verstöße auszumachen.
Der chinesische Markt für Online-Spiele ist im vergangenen Jahr um 61,5 Prozent gewachsen. Das geht aus der Statistik des IDC hervor, die China Daily zitiert. Demnach liegt der Umsatz der Spiele-Industrie bei rund einer Milliarde Euro (10,6 Milliarden Yuan). Ende letzten Jahres waren offenbar mehr als 40 Millionen Chinesen als Online-Spieler aktiv. Das wären 23 Prozent mehr als im Jahr 2006. (flo)