WLAN ab April auch in Schweizer ZĂĽgen

Im April wollen SBB und Swisscom mit der WLAN-Versorgung auf Hauptstrecken beginnen. Drahtlos surfen können allerdings nur Passagiere der ersten Klasse.

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Von
  • Tom Sperlich

Ab April kann in Schweizer Zügen per WLAN im Internet gesurft werden. Wie Sepp Huber, Sprecher des größten Schweizer Telekommunikationsunternehmens Swisscom, gegenüber heise online bestätigte, ist der Aufbau der nötigen technischen Plattform abgeschlossen. Die Zeit bis zum Start des WLAN-Angebots wollen Swisscom und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) nun für die Optimierung des Systems nutzen. Auch das SBB-Personal solle "optimal informiert" werden, "um den Produktstart kundennah begleiten zu können", heißt es bei der Swisscom. Die SBB selbst macht vorerst keine Angaben zu dem Projekt.

Zunächst sollen insgesamt 75 Waggons – allerdings zunächst nur solche mit dem "Business-Piktogramm" gekennzeichneten der 1. Klasse – mit WLAN-Hotspots ausgerüstet sein. Der Fokus liegt dabei zunächst auf einer der SBB-Hauptstrecken zwischen Bern und Zürich. Die Wagen sollen aber zusätzlich auch auf weiteren Hauptverkehrsachsen verkehren. Welche das sein werden, teilen Swisscom und SBB derzeit nicht mit. Auf diesen Strecken würde die Verfügbarkeit und Bandbreite vom aktuellen Netzausbau abhängen. Ob und wann weitere Strecken ausgerüstet werden, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, sagt der Swisscom-Sprecher. Anders als in der Schweizer Tagespresse berichtet, beginne das WLAN-Angebot auch nicht am 1. April. Den genauen Starttermin im April will Swisscom "zu gegebener Zeit kommunizieren".

Auch Nicht-Kunden von Swisscom sollen den WLAN-Access mit dem Swisscom Prepaid-Angebot nutzen können. Der Zugang erfolgt über die gleiche Hotspot-Startseite, wie sie zum Einloggen in den Bahnhöfen der SBB verwendet wird. Die Übertragung vom Bahnwagen aus erfolgt über das Mobilfunknetz mithilfe der Breitband-Technologien HSPA/UMTS/EDGE. Auch bei der Deutschen Bahn wird der Internetzugang im fahrenden ICE über Mobilfunk realisiert.

Auf der Strecke Zürich-Bern soll praktisch eine durchgängige Breitband-Netzabdeckung verfügbar sein, teilt die Swisscom mit. SBB und Swisscom hätten "nach der besten Lösung" für einen Internetzugang in den Bahnwagen gesucht, die den hohen Anforderungen nach unterbrechungsfreiem Zugang, Bandbreite und Einfachheit entspricht. Mit dem Ausbau des HSPA-Netzes seien die Bedingungen für eine solche Lösung jetzt gegeben. Was dies den Surfer im Zug kosten soll, wird erst zum Start des Angebots bekanntgegeben.

Die Swisscom betrachtet WLAN im Zug als Teil ihrer mobilen Breitband-Strategie. HSPA soll ab Mitte 2008 im gesamten UMTS-Netz der Swisscom verfügbar sein und dann rund 90 Prozent der Bevölkerung erreichen. Bis dahin will Swisscom einen zweistelligen Millionenbetrag in das mobile Breitbandnetz investieren.

Auch ohne "WLAN im Zug" kann bereits seit längerem über das Swisscom-Produkt "Mobile Unlimited" in den SBB-Zügen gesurft werden (auch via EDGE, UMTS und HSDPA). Marktbeobachter glauben, dass der zögerliche Ausbau von "WLAN im Zug" – seit mehreren Jahren wird schon an einem Angebot gearbeitet – den simplen Grund habe, dass die Internet-Nutzung mit "Mobile Unlimited" die Anschaffung einer entsprechenden PC-Card oder eines USB-Modems für gut 400 Schweizer Franken (rund 250 Euro) erfordert. Das Aufladen eines Guthabens für die Nutzung des Public Wireless LAN ist natürlich hingegen wesentlich preiswerter. (Tom Sperlich) / (vbr)