Jetzt mal langsam

Immer noch errichten wir Straßenschilder, um Autofahrer auf Geschwindigkeitsbegrenzungen hinzuweisen. Wie wäre es stattdessen mit Funkchips, die dem Motor vollautomatisch das Gas abdrehen?

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Von
  • Robert Thielicke

Immer noch errichten wir Straßenschilder, um Autofahrer auf Geschwindigkeitsbegrenzungen hinzuweisen. Wie wäre es stattdessen mit Funkchips, die dem Motor vollautomatisch das Gas abdrehen?

Ich wohne in einer verkehrsberuhigten Straße, aber ruhig sind nur die Kinder, nicht der Verkehr. Jedenfalls auf der Straße. Statt mit 30 Kilometern pro Stunde beschleunigen die Autos auf 50 oder 60 Stundenkilometer, und wie so oft liegt es an der Breite der Straße: Die Fahrer halten sie offensichtlich für eine Art Fluchtschneise aus unserem Wohnviertel heraus. Man müsste die Menschen hinter dem Steuer also ausbremsen, am besten vollautomatisch, sobald sie in unsere Straße einbiegen und Gas geben wollen. Ich hätte einen Vorschlag.

Inzwischen hat nahezu jedes halbwegs neue Auto einen Tempomat, der, einmal eingestellt, ganz von allein die Geschwindigkeit hält. Bei neueren Modellen ist das Gerät sogar an einen Abstandssensor gekoppelt. Der PKW hält damit immer die Geschwindigkeit des vor ihm fahrenden Autos und vermeidet Auffahrunfälle.

Damit sie für verkehrsberuhigte Zonen geeignet ist, müsste man die Technik nur ein wenig abwandeln. Den Befehl, langsamer zu fahren, geben nicht mehr Radarsensoren an der Karosserie, sondern kleine Funkchips, eingelassen in den Asphalt. Man bräuchte keine Polder, Bodenwellen und Slalomkurse um Blumenkübel mehr zu installieren – hinter denen im Zweifel ein Kind hervorspringt. Hinweise auf Geschwindigkeitsbegrenzungen wären nur noch nötig, damit die Fahrer wissen, wie ihnen geschieht: Die Funkchips übermitteln dem Tempomat einfach den Befehl "Fahre 30". Ein kurzes Signal an die Bordelektronik, und schon gibt selbst der Motor eines Porsche Panamera nicht mehr her als ein Mofa.

Der Code müsste natürlich so sicher sein, dass ihn nicht jeder halbwegs versierter Hacker knacken kann – und den Befehl, 30 zu fahren, in ein 100-Stundenkilometer Himmelfahrtskommando umprogrammiert. Andererseits: Der Anfang ist bereits gemacht. Schließlich gibt es schon eine Fernbedienung fürs Tempomat. Sie ist nachrüstbar und funktioniert via Bluetooth. (rot)