Wie im Flug

Wer hoch hinauswill, muss genau wissen, was er tut. Zumindest, wenn er selbst im Cockpit sitzt. Diverse Apps helfen nicht nur beim Wissenserwerb, sondern bieten auĂźerdem hilfreiche Informationen und reichlich Anschauungsmaterial.

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Von
  • Kai König
Inhaltsverzeichnis

Schon seit der Antike verfolgt die Menschheit den Traum vom Fliegen. Dies zunächst mithilfe von Drachen, Hängegleitern oder anderen sehr einfachen Luftschiffen. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Disziplin der Luftfahrt aus dem Experimentierstadium gelöst und wurde zunehmend professionalisiert.

Heute findet man in jedem zugelassenen Fluggerät eine Vielzahl verschiedener Sensoren und Instrumente mit den dazugehörigen Anzeigen. Je nach Flugzeugtyp und -alter kann es sich dabei um Instrumente mit einfach gehaltenen analogen Anzeigen handeln, allerdings verbreiten sich sogenannte Glascockpits immer mehr. Dabei handelt es sich um Digitalinstrumente, die je nach Ausführung auch verschiedene Kartenansichten und Informationen zu Funkfrequenzen bereitstellen.

Was aber bieten Mobilgeräte wie Telefon und Tablet dem (angehenden) Piloten? Diese Ausgabe der App-Infos stellt verschiedene Anwendungen für Piloten vor. Eine wichtige Anmerkung vorab: Vor dem Einsatz einer Anwendung oder eines mobilen Endgeräts gilt es immer sicherzustellen, dass man diese App im Einklang mit den der eigenen Fliegerei zugrunde liegenden Regeln und Gesetze nutzen kann und darf. Dieser Punkt ist besonders für den Fall einer eventuellen Nutzung im Cockpit und während des Fluges hervorzuheben.

Den Anfang macht die kostenlose iOS-App Pilot’s Tutor PPL von Matthias Fliegner, eine Lernhilfe zur Prüfungsvorbereitung auf verschiedene schriftliche Prüfungen zur Erlangung einer PPL (Privatpilotenlizenz) in Deutschland. Nach dem Start der Anwendung auf dem iPhone oder iPad öffnet sich die Auswahl der Fragenkataloge. Hierbei findet man neben den vom Nutzer wahrscheinlich erwarteten Katalogen für PPL-A und -H (Flugzeug und Helikopter) auch solche für angehende Heißluftballonführer oder zur Vorbereitung auf die Flugfunk-Prüfung. Jeder Fragenkatalog ist weiter in Fächer wie Luftrecht, Navigation et cetera unterteilt und vier verschiedene Abfragemodi runden das durchweg positive Bild ab.

Ebenfalls in den Bereich der Lern- und Prüfungsapps für iOS fällt iVOR für 4,49 Euro. VOR steht für das englische „VHF omnidirectional range“ und stellt ein funkbasiertes Navigationswerkzeug für Piloten dar. Dieser Simulator hilft dabei, das Verhalten der VOR-Instrumente in verschiedenen Flugpositionen und in Abhängigkeit von VOR-Bodenstationen zu erlernen. Grundwissen zur VOR-Navigation muss man sich vor Nutzung dieser App selbst erarbeiten, als Simulations- und Übungswerkzeug außerhalb des Flugzeugs ist sie jedoch sehr nützlich.

Wer schon einmal Piloten während des Fluges beim Funken zugehört hat, dem kommen Kürzel wie „Papa Echo Romeo“ vielleicht bekannt vor. Im Flugfunk benutzt man zur besseren Identifizierbarkeit einzelner Buchstaben und Ziffern ein sogenanntes phonetisches Alphabet. Die iOS-App Phonetics bietet eine Übersicht über das ICAO-Standardalphabet und sechs weitere Übersetzungen, unter anderem Deutsch. Simple Phonetic Alphabet hingegen beherrscht nur das ICAO-Alphabet, es liest jedoch die Buchstaben in der korrekten Aussprache vor, wenn man darauf drückt. Beide Apps sind kostenlos und gut für ihre jeweiligen Zwecke geeignet.

Zum Einhören in den Flugfunk bietet sich die App LiveATC Air Radio zum Preis von 2,69 Euro auf iOS beziehungsweise für 2,34 Euro auf Android an. Bei dieser mobilen Client-Anwendung für das LiveATC-Netzwerk handelt es sich um eine Sammlung von Fluglotsen-Livestreams, die einen Einblick in das Verkehrsaufkommen vieler Flughäfen und Anflugsektoren bieten. Es sei angemerkt, dass LiveATC keine Streams von deutschen Flughäfen liefert, und es ist ratsam, vor dem Kauf der App auf LiveATC.net die Verfügbarkeit der gewünschten Streams zu prüfen.

Die App Platzrunde.DE stellt eine Sammlung von VFR-Karten (Visual Flight Rules) und Informationen zu deutschen Flughäfen zur Verfügung. Sie ist kostenlos und enthält Beispielinhalte zu einigen ausgewählten deutschen Flugplätzen. Um Zugriff auf die gesamten Inhalte zu bekommen, muss man sich kostenlos registrieren und dann ein kostenpflichtiges Abonnement des Kartenmaterials (das von der Deutschen Flugsicherung stammt) abschließen. Dafür haben Piloten dann aber auch die Möglichkeit, ihr iPhone oder iPad als sogenannte „Moving Map“ zu nutzen, das heißt, man kann die Position des eigenen Flugzeugs auf den elektronischen Karten sehen.

Gerade im Bereich des elektronischen Kartenmaterials folgen viele andere Apps dem Beispiel von Platzrunde.DE und bieten eine kostenfreie App an, mit der man auf das zu lizenzierende Kartenmaterial zugreifen kann. Bekannt für Papierkarten und andere Materialien im Umfeld des privaten oder kommerziellen Fliegens ist die Firma Jeppesen, deren App Jeppesen Mobile FD gerade für Piloten in den USA sehr zu empfehlen ist. Ein Jeppesen-Abonnement ist allerdings deutlich umfangreicher und bietet neben Flugplatzkarten Wetterinformationen und erlaubt es dem Anwender, grundlegende Flugpläne zu erstellen. Die Deutsche Flugsicherung hat mit VFRiCharts auch eine eigene europaweite Lösung im Angebot. Unter Android stellt Naviator in diesem Bereich einer der besten Anwendungen dar.

Nützliche Wetterinformationen bietet iPhone- und iPad-Nutzern Aero Weather Pro für 3,59 Euro. Die App liefert Wetterinformationen aus frei verfügbaren Quellen und decodiert auf Wunsch die auf den ersten Blick kryptisch erscheinenden Daten. Aero Weather gibt es auch in einer kostenlosen Lite-Ausgabe. Die beiden Versionen unterscheiden sich im Wesentlichen darin, dass die Pro-Version einen erhöhten Bedienkomfort und einige zusätzliche Features bietet.

Ebenfalls gelungen ist die kostenlose App Air Navigation Free. Bei dieser iPhone-Anwendung handelt es sich um ein einfaches Fluginformationssystem, das mithilfe von GPS-Informationen und Accelerometer Instrumente eines Flugzeugs simuliert. Besser gelingt das noch mit einem externen GPS-Empfänger. Das ersetzt aber auf keinen Fall die ins Flugzeug eingebauten Flug- und Navigationsinstrumente. Der große Bruder Air Navigation Pro bietet für 44,99 Euro einige weitere Funktionen, unter anderem die oben erwähnte „Moving Map“-Kartenansicht. Hierzu muss der Nutzer aber weitere spezielle Kartenpakete nachkaufen.

Piloten müssen ihre Flug- und Dienstzeiten regelmäßig in einem Log- oder Flugbuch festhalten. Auch hierzu gibt es verschiedene Programme. Eins der besseren ist LogTen Pro für je 54,99 Euro für entweder iPad oder iPhone beziehungsweise 69,99 Euro als universelle App für beide Plattformen. Die App ist unglaublich vielfältig und unterstützt auch die Ausgabe von Flugbuchinformationen nach den Anforderungen verschiedener Aufsichtsbehörden. Für Nutzer von Android bietet sich das kostenlose AviationPilot Log Book an, das sowohl Flugbücher nach FAA als auch europäischen JAA-Regeln unterstützt. Bei der Verwaltung von Ruhezeiten während eines Langstreckenfluges hilft die kostenfreie iOS-App Crew Rest.

Neben der Flugplanung müssen Piloten gerade im Amateurbereich manchmal während des Fluges manuelle Berechnungen durchführen: Seitenwinde, Reichweite bei gegenwärtigem Spritverbrauch und so weiter. Hier hilft beispielsweise Pilot Wizz Pro für 8,99 Euro. Die iOS-App unterstützt eine Vielzahl gängiger Berechnungen sowohl vor dem Flug als auch währenddessen. Auf Android-Geräten bietet die App Aviation Tools einen Teil dieser Funktionen auch umsonst.

Auch die in der Luftfahrt üblichen Checklisten lassen sich elektronisch verwalten. i-FLYTE Time & Checks liefert für 6,99 Euro verschiedene Vorlagen, die iOS-Nutzer an die eigenen Anforderungen anpassen können. (ka)