Orden fĂĽr Drohnenkrieger

Nerds im Krieg: Künftig können auch Drohnenpiloten oder Wurmprogrammierer mit einem Kriegsorden ausgezeichnet werden.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Nerds im Krieg: Künftig können auch Drohnenpiloten oder Wurmprogrammierer mit einem Kriegsorden ausgezeichnet werden.

Der Krieg der Zukunft findet vielleicht bald nur noch am Bildschirm statt, so sehr wie US-Präsident Obama den Drohnenkrieg vorantreibt. Außerdem rekrutiert die US-Regierung offenbar Hacker, die Schadsoftware wie Stuxnet zu Angriffszwecken programmieren oder zahlt ihnen auf einem stetig wachsenden Malsoftware-Markt Geld für aufgespürte Sicherheitslücken in Betriebssystemen.

Orden dienen dazu, dem schmutzigen Kriegsgeschäft etwas mehr Glanz zu verleihen. Neue Kriegsführung braucht neue Orden, dachte sich Noch-Verteidigungsminister Leon Panetta – und führte nun eine neue Medaille ein, die für „herausragende Kriegsführung“ künftig an Soldaten verliehen werden, die selbst nicht im Kriegsgebiet anwesend sind, deren Handlungen aber direkten Einfluss auf Kriegseinsätze haben. Sprich: Wer künftig mit seiner Drohne im Kriegsgebiet besonders wichtige Personen erledigt oder wessen Wurm so viel Schaden anrichtet, dass er den Feind empfindlich trifft, kann sich neuerdings auch einen Orden ans Revers heften – ohne sein Leben aufs Spiel setzen zu müssen. Es ist der erste neue Orden seit dem Bronze Star 1944.

Die Cyber-Zivilisten reagierten weniger begeistert auf den Orden für die Cyber-Krieger und tauften die neue Medaille „Geek Cross“. Bemerkenswert. Ist in den letzten dreißig Jahren die Nerdkultur schleichend zur Leitkultur avanciert, wie Christian Stöcker in seinem lesenswerten Buch „Nerd Attack!“ darlegt, schicken sie sich nun auch noch an, die Kriegskunst mit ihrer dazugehörigen Folklore umzudefinieren. Nun also können die pickeligen, dickbebrillten Jungs, die nie ein Mädchen abbekommen haben, auch beim Militär Erfolg haben, das sie früher an den Schreibtisch verdammt oder gar ausgemustert hätte.

Nun kann man kritisieren, dass Tapferkeitsmedaillen wenigstens nur an Leute verliehen werden sollten, die ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben – also wissen, wie hoch ihr Einsatz ist. Und ja, möglicherweise wird sich der eine oder andere reallife-Krieger durch den neuen Orden "entwertet" fühlen. Ich halte diese Diskussion für irrelevant. Egal welcher Methode man sich bedient hat: Ein Orden ist letztlich eine Auszeichnung für erfolgreiches Töten des Feindes. Wer darauf stolz sein will, der soll es sein. Auch wenn er nur hinter einem Bildschirm gesessen hat.

Dass aber künftig möglicherweise jemand glaubt, er könne nun angenehmer eine Militär- Karriere machen, der täusche sich mal nicht: Per Joystick aus der Ferne zu töten ist nicht etwa angenehmer, wie man vielleicht annehmen könnte. Drohnenpiloten leiden genau wie ihre Kollegen im Kriegsgebiet unter posttraumatischen Belastungsstörungen. (jlu)