Traumberuf Hofberichterstatter
Seit Berlin zum Symbol der neuen Republik geworden ist, keimt die Hoffnung, die eher als "geradeheraus" zu charakterisierende Berliner Schnauze könnte zum Leitbild unserer Kommunikationskultur werden - doch stattdessen wird die Schnauze lieber gehalten.
- Peter Monnerjahn
Seit Berlin zum Symbol der neuen Republik geworden ist, keimt die Hoffnung, die eher als "geradeheraus" zu charakterisierende Berliner Schnauze könnte zum Leitbild unserer Kommunikationskultur werden – doch stattdessen wird sie lieber gehalten, die Schnauze. Politik und Medien sagen immer weniger Gehaltvolles. Ist das die reine Publikumsorientierung und wollen Leser und Zuschauer etwa keine echten Informationen haben?
Der Grund ist Gott sei Dank ein anderer: Informationen über das, was Politiker den Tag über so treiben, werden nicht öffentlich gegeben, sondern in Kungel- und Mauschelrunden konspirativ weitergereicht. Die empfangenden Journalisten lassen sich dann zum Beispiel im NDR-Magazin "ZAPP!" so zitieren: "Der Mehrwert besteht einfach darin, dass wir die Wahrheit erfahren und die dann, so bitter es für manche auch ist, nicht schreiben oder senden dürfen."
Tatort dieser Praktiken: das politische Hinterzimmer. Wissentliche Mitläufer: nun ja, eigentlich alle, von "Welt" bis "taz". In einem Vortrag an der Freien Universität Berlin erklärte nun Bascha Mika, Chefredakteurin der "taz", warum auch ihr eigenes Blatt über halbherzige Proteste nicht hinauskommt.
Siehe dazu den Artikel in Telepolis:
(Peter Monnerjahn) / (jk)