"Mein Gott, es ist voller Sterne"
Ja, auch Beamer können Fehlpixel haben. Und das nervt. Es sei denn, man will nur noch "2001" und "Star Wars" gucken.
- Jens Lubbadeh
Ja, auch Beamer können Fehlpixel haben. Und das nervt. Es sei denn, man will nur noch "2001" und "Star Wars" gucken.
Von einem Kino bei mir zuhause habe ich schon als Kind geträumt. 2009 wurde das Heimkino dann Realität als ich mir endlich einen Beamer anschaffte. Für nur knapp 300 Euro erstand ich den BenQ MP515 – und war von dem Gerät begeistert. Zunächst. Zwei Jahre später aber wurde ich runtergebeamt.
Beamer gab es zwar schon lange, ich ließ mir aber Zeit mit der Kaufentscheidung. Unter anderem deshalb, weil die meisten Geräte scheinbar einen Haarfön eingebaut haben. Mich hat schon in der Schule immer das Geräusch des Super-8-Projektors genervt, wenn unsere Biologie-Lehrerin uralte Lehrfilme zeigte. Nicht umsonst befinden sich im Kino die Projektoren auch in abgetrennten, schalldichten Räumen. Dass 20 Jahre später die Projektoren noch immer nicht wesentlich leiser geworden sind, empfinde ich als Armutszeugnis des Fortschritts. Alle Welt giert immer nur nach mehr Pixeln. Aber was bringt einem die höchste Auflösung, wenn der Lüfter nebenan nervt?
Ich geb's ja zu, ich bin lärmempfindlich. Ist auch ein Grund, warum ich Kino-Besuche nur selten genießen kann. Von mir aus würde dort totales Popcorn- und vor allem Weingummitütenverbot herrschen. Aber damit scheine ich eine Außenseitermeinung zu vertreten. Daher möchte ich wenigstens in meinem Heimkino meine Ruhe haben und nicht Plastiktüten rascheln hören, wenn Darth Vader Luke gerade eröffnet, dass er sein Vater ist. Die Beamerauswahl fiel mir daher nicht leicht. Denn auf den tausenden Beamerinfo- und Vergleichsportalen kann man so ziemlich alle Features suchen, filtern und vergleichen – nur nicht das wichtigste: die Lautstärke.
Und so bleibt mir nichts anderes übrig als jeden Beamer einzeln anzuklicken und mich bis zu den Dezibelwerten durchzuscrollen, nur um in 90 Prozent der Fälle enttäuscht wieder auf den "Zurück"-Button zu klicken. Kaum ein Gerät, das weniger als 26 Dezibel Betriebsgeräusch besitzt. Und wenn, dann auch nur um Eco-Modus. Oh ja, es gibt auch richtig leise Beamer, die sogar die 20-Dezibel-Marke unterbieten. Dafür überbieten sie aber auch die 1500-Euro-Marke.
Insofern war ich glücklich über meinen 300-Euro-und-26-Dezibel-Beamer. Dass er nur 800 mal 600 Pixel darstellen konnte, war mir völlig genug. Und so konnte ich endlich "2001" und "Star Wars" mal wieder so sehen, wie man diese Filme sehen muss: in groß.
Doch pünktlich nach zwei Jahren und Ablauf der Garantiezeit dann der Schock: Im Bild tauchten plötzlich weiße Pünktchen auf. Erst einer, dann drei, dann fünf. Bei jeder Kinositzung wurden es mehr. Manchmal verschwand einer auch wieder, aber dann tauchte kurze Zeit später an anderer Stelle ein neuer auf. Am Ende hatte ich einen Dauer-Sternenhimmel aus genau 13 weißen Punkten in meinem Beamerbild, leider ziemlich genau in der Mitte.
Das nervte eigentlich nur bei "Fargo" nicht, weil die Fehlpixel-Galaxy von den weißen Schneebildern verschluckt wurde. Auch die Sternenkreuzer-Sequenzen von "Star Wars" wurden dadurch sogar noch ein wenig aufgepeppt. Das gleiche galt für das sternenlastige "2001". Das berühmte Zitat von Dave – "Mein Gott, es ist voller Sterne" – bekam dadurch auch eine ganz neue Dimension. Aber bei düsteren Filmen wie "Blade Runner" oder "Das Schweigen der Lämmer" trieben die weißen Pixel einen in den Wahnsinn. Es war wieder wie mit den Weingummi-Raschlern im Kino: Am Ende konnte ich mich nicht mehr auf den Film konzentrieren.
Zuerst dachte ich, es sei nur Staub in der Optik des Beamers. Ich hielt den Staubsauger an die Lüfterschlitze und saugte und saugte. Ich schraubte ihn auf und jagte überall Pressluft hindurch. Schließlich schüttelte ich ihn meiner Verzweiflung, dass der Sternenstaub doch endlich hinausfallen möge. Keine Chance. Denn es war kein Staub, es waren Fehlpixel – ein Thema über das bei Beamern gut wie nie gesprochen wird, wo alle Welt, wenn es um das Thema Haltbarkeit geht, sich immer nur um die Lebensdauer der Lampen sorgt. Das Herz eines DLP-Beamers ist ein Chip mit Tausenden – in meinem Fall genau 480.000 – Mikrospiegeln. Jeder von ihnen wird einzeln angesteuert und bewegt. Fällt einer aus, bleibt nur noch ein schwarzer oder ein weißer Punkt. Eine Schicksalsentscheidung, die einen dazu verdammt, auf alle Zeiten entweder nur noch Arktis- oder nur noch Weltraum-Dokumentationen schauen zu können.
Dass das nach noch nicht einmal 500 Betriebsstunden (die Lampe hat eine Lebensdauer von 2000 Stunden), und ausgerechnet genau nach Ablauf der Garantiezeit auftritt, riecht nach geplanter Obsoleszenz. Das Gerät ist praktisch wertlos geworden, jedenfalls für mich. Ich habe ihn an jemanden verkauft, der damit nur Powerpoint-Präsentationen projizieren will und sich nicht über Sterne in der Zelle von Hannibal Lecter ärgern muss. Die Entscheidung für den Acer X1311WH als meinen neuen Beamer machte ich von zwei Faktoren abhängig: Auch er hat 26 Dezibel im Eco-Modus zu bieten. Und Acer bietet 5 Jahre Garantie auf den DLP-Chip. Das gibt fünf Sterne! In der Bewertung natürlich. (jlu)