Grafikkarten: Geschäft konzentriert sich auf das High-End

Im vierten Quartal 2012 bleibt die Entwicklung rückläufig. Intel dominiert zwar das Grafik-Chip-Segment, setzt aber ansonsten keine Akzente. Während der Einstiegsbereich wegbricht, kommen statistisch 1,4 Grafik-Chips pro PC zum Einsatz.

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Von
  • Karl Fröhlich

Der Markt fĂĽr Grafikkarten hat viel von seinem einstigen Glanz verloren. Die Verkaufszahlen gehen kontinuierlich nach unten. Den Analysten von Jon Peddie Research (JPR) zufolge wurden im vierten Quartal 2012 weltweit rund 17 Prozent weniger Boards verkauft als im Q3/2012. Im Jahresvergleich verzeichnet die Branche mit 14,5 Millionen ausgelieferten StĂĽck ein 10-prozentiges Minus. Zumindest Nvidia kann dem Q4 etwas Gutes abringen: Der Hersteller verbessert seine Marktanteile leicht auf 65,7 Prozent. AMD kommt dagegen nur noch auf 34,3 Prozent.

Intel dominiert den Einstiegs- und Mainstream-Bereich, ohne aber im Grafiksegment entscheidende Akzente zu setzen.

(Bild: Jon Peddie Research)

Dem Grafik-Chip-Markt geht es nicht recht viel besser. Der Quartalsverlust liegt im Q4 bei 8,2 Prozent. Intel kann im Quartals- und Jahresvergleich leicht zulegen und kommt nun auf einen Marktanteil von rund 63 Prozent. Als Verlierer stehen AMD und Nvidia da, die es im vierten Quartal auf nicht ganz 20 bzw. 17 Prozent bringen. Wobei es allerdings so ist, dass sich Intels tatsächliche Marktbedeutung in Grenzen hält – trotz der offensichtlichen Dominanz der Zahlen. Die Intel-Chips sind auf den meisten Mainboards standardmäßig verbaut, werden aber nicht zwangsläufig auch eingesetzt. Laut JPR kommen rein statistisch auf einen PC 1,4 Grafik-Chips. 2001 lag dieser Wert noch bei 1,2 Chips pro Rechner.

Die Entwicklung ist natürlich nicht neu. "Der Absatz von Einstiegs- und Mainstream-Grafikkarten ist tendenziell rückläufig, da integrierte Grafiklösungen in CPUs oder Mainboards diese Leistungskomponente ersetzen", erklärt Stefan Illing, Produktmanager VGA bei Devil. "Im Bereich High-End-VGA wird allerdings weiterhin rege auf- und umgerüstet, so dass hier ein anhaltend stabiles Geschäft möglich ist."

In der KW 09 ist die Gigabyte Radeon HD 7950 (256,58 Euro brutto) im heise resale Preisradar die meistgesuchte Grafikkarte.

Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro, beurteilt die Situation ähnlich: "Insbesondere High-End-Grafikkarten werden gut nachgefragt. Einige neue, starke Spieleveröffentlichungen wie Assassin’s Creed III, Crysis und Tomb Raider haben den Absatz gefördert." Insgesamt verlaufe das erste Quartal aber ohne große Überraschungen.

Das entscheidende Kaufkriterium ist der Grafik-Chip. "Dedizierte Grafikkarten und Chipsätze lassen sich nach wie vor am besten an die Bedürfnisse des Anwenders anpassen", meint Devil-Manager Illing. "Die aktuell maßgeblichen Einstiegs-Chipsätze sind die 210er von Nvidia sowie von AMD die 5450er." Im Mittelklasse- und High-End-Bereich dominieren der Nvidia 650 und GTX660.

"Bei AMD verkauft sich recht stark die 77er und 78er Serie", sagt Christian Hoth, Produktmanager für HIS-Grafikkarten beim Bremer Generalimporteur HMC. "Hier erhalten User ein gutes Preis-Leistung-Verhältnis und werden mit Sicherheit nicht enttäuscht."

Die meistgesuchten Grafikkarten sind im heise resale Preisradar die Gigabyte-Boards Radeon HD 7950 (256,68 Euro brutto), Radeon HD 7870 (198,78 Euro), Radeon HD 7970 (326,90 Euro) und Radeon HD 7970 GHz Edition (360,39 Euro). Dazwischen platziert sich die PNY Geforce GTX 660 Ti XLR8 Edition (208,91 Euro). Der durchschnittliche Angebotspreis im Onlinehandel fällt im Vergleich zur Vorwoche um rund fünf Prozent auf 238,23 Euro.

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

ALSO GmbH
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ingram Micro GmbH

Aktuell kann der Handel auf ein leicht fallendes Preisniveau und gute Verfügbarkeit setzen. Margen lassen sich vor allem mit High-End-Boards erzielen, wobei hier nicht nur die Performance zählt. "Gute High-End-Grafikkarten zeichnen sich auch durch einen niedrigen Geräuschpegel und geringen Energieverbrauch aus", erklärt Ingram-Manager Gerken.

Das zweite Quartal ist üblicherweise von rückläufigem Geschäft gekennzeichnet. Im Moment gibt es für den Handel keine Indikatoren, dass es dieses Jahr anders kommen könnte. Zu erwarten ist Nvidias GK110-Grafik-Chip, der in Kürze auf den Geforce-Titan-Boards den Weg in die Geschäfte finden soll. Dabei soll es sich dann um die schnellste Single-GPU-Karte handeln. Im Internet werden Preise von zirka 850 US-Dollar gehandelt. AMD tritt der Titan zunächst mit der Dual-GPU-Karte Radeon HD 7990 entgegen. Einen Nachfolger für die HD 7970 hat der Hersteller erst für Ende 2013 in Aussicht gestellt. (map)