Microsoft geht gegen WordPerfect-Klage vors oberste US-Gericht
Der Softwarekonzern will bei Supreme Court erreichen, dass eine 2004 von Novell eingereichte Klage wegen angeblich kartellwidrigen Verhaltens nicht weiter verhandelt wird.
Der US-Softwarekonzern Microsoft hat vergangene Woche das oberste US-Gericht angerufen, um eine seit 2004 anhängige Kartellklage von Novell abzuwenden. In dem Verfahren warf Novell vor dem Bundesbezirksgericht in Utah dem Kontrahenten unfaire Wettbewerbspraktiken im Bereich Bürosoftware vor. Das Berufungsgericht in Richmond, Virginia, hatte 2007 eine Entscheidung aus dem Jahr 2005 bestätigt, dass der Fall weiterverhandelt wird. Dagegen ging Microsoft nun vor den Supreme Court, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.
Microsoft begründet seinen Antrag damit, Mitte der 90er-Jahre sei Novell im Bereich Betriebssysteme kein direkter Konkurrent oder Microsoft-Kunde gewesen und verwies auf Gerichtsentscheidungen, in denen nur solche als Kläger zugelassen wurden. Novell meint hingegen, eine auf verschiedene Plattformen lauffähige Software angeboten zu haben, um das Windows-Monopol aufweichen zu helfen.
Microsoft hatte sich Ende 2004 mit Novell auf Zahlung einer halben Milliarde US-Dollar geeinigt, im Gegenzug verzichtete Novell auf ein Verfahren um das Netzwerk-Betriebssystem Netware, auch zog sich das Unternehmen aus seiner Beteiligung am Kartellverfahren der EU gegen Microsoft zurück. Kurz darauf reichte Novell die Klage ein, die unter anderem die Textverarbeitung WordPerfect zum Gegenstand hat, die 1994 bis 1996 im Besitz von Novell war. Der Anteil von WordPerfect am Markt für Textverarbeitungen ist von 50 Prozent im Jahr 1990 auf 10 Prozent im Jahr 1996 zurückgefallen – dafür will Novell angeblich unlautere Praktiken von Microsoft verantwortlich machen.
Kurz nachdem Novell im Juni 1994 WordPerfect für 51 Millionen US-Dollar erworben hatte, begann das Unternehmen, die Software in seine eigene Suite für das bevorstehende Windows 95 zu integrieren, erläutert The Register. Novell gibt an, auf Anraten von Microsoft erheblichen Aufwand dafür getrieben zu haben, dass so genannte Browsing Extensions in seine Software eingebaut werden könnten. Doch als die öffentliche Beta von Windows 95 erschienen sei, hätten die nötigen Programmierschnittstellen und Dokumentationen für diese Erweiterungen gefehlt. Aus diesem Grund habe Novell das Erscheinen von WordPerfect für Windows 95 verschieben müssen. Windows-95-Nutzer hätten deshalb ihre WordPerfect-Dokumente nicht mehr öffnen können.
Microsoft hatte seinerzeit dem entgegengehalten, der Abstieg von WordPerfect habe bereits vor der Übernahme durch Novell begonnen. Als Indiz dafür könne gelten, dass kurz nach Bekanntgabe des Kaufs der Wert der Novell-Aktie um 15 Prozent gesunken sei. Die WordPerfect-Verantwortlichen hätten sich dafür entschieden, keine Ausgabe für die ersten Windows-Versionen zu entwickeln in der Hoffnung, dadurch den Erfolg von Windows zu verhindern, argumentierte Microsoft. Diese und andere Fehlentscheidungen hätten dazu geführt, dass Novell WordPerfect nur zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises an Corel weiterverkaufen konnte. (anw)