Technisch gestĂĽtzter Feldzug gegen Tuberkulose
Südafrika will die Ausbreitung der Krankheit, insbesondere ihrer resistenten Formen, durch ein extrem schnelles Diagnosegerät eindämmen.
- Veronika Szentpetery-Kessler
Südafrika setzt auf eine neue Waffe gegen Tuberkulose und stattet seine Krankenhäuser mit einfach zu bedienenden Testgeräten aus. Die GeneXpert-Maschinen verkürzen das wochen- und oft sogar monatelange Warten auf die Diagnose auf lediglich zwei Stunden, schreibt Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 3/2013 (seit kurzem am Kiosk oder portokostenfrei direkt im Heise Shop erhältlich). GeneXpert kann in der ausgehusteten Schleimprobe eines Patienten nicht nur die Tuberkulose verursachende Bakterien nachweisen – sondern auch genau bestimmen, ob in der Bakterien-DNA jene Mutationen vorliegen, die sie resistent gegen die häufigsten Gegenmittel machen. Auf diese Weise können die Patienten bedeutend schneller mit den passenden Medikamenten behandelt werden und die Ausbreitung der Erreger verlangsamt werden.
In vielen armen Ländern, vor allem in großen Teilen von Zentral- und Südafrika, hat der sogenannte Weiße Tod immer noch epidemische Ausmaße. 2011 erkrankten geschätzte 8,7 Millionen Menschen daran, die Zahl der Toten erreicht pro Jahr etwa 1,4 Millionen. Damit ist Tuberkulose nach dem HI-Virus der zweittödlichste Erreger. Einer der wichtigsten Gründe für die Hartnäckigkeit der Tuberkulose-Epidemie ist, dass es keine einfache und bezahlbare Methode gibt, um die Infektion zu diagnostizieren – etwa drei Millionen Fälle pro Jahr werden nicht erkannt.
Entstanden ist das GeneXpert-Gerät in einer Public-Private-Partnership zwischen der University of Medicine and Dentistry of New Jersey, der Foundation for Innovative New Diagnostics in Genf und dem kalifornischen Biotechnik-Unternehmen Cepheid. Von der WHO wurde es bereits im Dezember 2010 zugelassen. Wenige Monate später bezeichnete der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi die Gen-Maschinen als "Bazooka" im Kampf gegen Tuberkulose und versprach, sie in jedem der 52 Bezirke des Landes aufzustellen.
Wenn die Technik wie geplant verbreitet wird, sollen die Kosten pro Tuberkulose-Verdachtsfall zwar um 55 Prozent steigen. Allerdings bekommt das Land auch einiges für sein Geld: "Die Diagnosekosten sind ein sehr, sehr kleiner Bruchteil des gesamten Tuberkulose-Kontrollprogramms, und sie bringen klare Vorteile", sagt Mark Nicol, der als Mikrobiologe an der University of Cape Town und beim staatlichen National Health Laboratory Service arbeitet. Ärmere Länder mit hoher Tuberkulose-Last werden Hilfe von außen brauchen, sagt Nicol. Südafrika aber könne sich die Investition gewiss leisten.
Mehr dazu in Technology Review 3/2013:
(vsz)