Nobelhobeln mit Lkw-Technik
Der Name Wraith lebt als Bezeichnung für das agilste und auch anderweitig superlative Rolls-Royce-Modell in der reanimierten Marke wieder auf. Er soll "das kühnste Design, die dynamischste Performance und die höchste Motorleistung, die je ein Rolls-Royce mit der berühmten Spirit of Ecstasy besaß" bieten
Genf (Schweiz), 5. März 2013 – Der Rolls Royce Wraith gehörte in den 30er Jahren zu den luxuriösesten Autos. Er verband eher konservatives Design mit technischer Innovation und bot bereits damals adaptive Dämpfung. Heute lebt der Name in der reanimierten Marke wieder auf – als Bezeichnung für das agilste und auch anderweitig superlative Rolls-Royce-Modell: Marken-Chef Torsten Müller Ötvös nennt "das kühnste Design, die dynamischste Performance und die höchste Motorleistung, die je ein Rolls-Royce mit der berühmten Spirit of Ecstasy besaß." Präsentiert wird der Wraith auf dem Genfer Autosalon (7. bis 17. März 2013).
Superlative Ansprüche und Lastwagen-Technik
Der Name "Wraith" passt gut zu den übrigen Modellnamen wie Ghost und Phantom, bedeutet er doch so etwas wie "nicht wahrnehmbar wirkende Kraft". Die Kraft des Wraith wird – mit Sicherheit fast unhörbar, aber bestimmt deutlich spürbar – von einem V12-Twinturbo mit 632 PS und einem maximalen Drehmoment von 800 Nm erzeugt. Der 2,35 Tonnen schwere Wagen beschleunigt laut Datenblatt in sportlichen 4,6 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt. Bei dem hohen Gewicht und der großzügigen Motorisierung muss man einen Normverbrauch von 14,0 Liter in Kauf nehmen - in der Stadt werden daraus über 20 Liter je 100 Kilometer, auf dem Papier, wohlgemerkt.
Nobelhobeln mit Lkw-Technik (14 Bilder)

Der Rolls-Royce Wraith ist das dritte Modell der Marke. Er wird auf dem Genfer Autosalon in die automobile Gesellschaft eingeführt.
Die Kraftübertragung besorgt die bewährte und bekanntermaßen adäquat komfortabel agierende Achtgang-Wandlerautomatik von ZF. Eine technische Innovation, vielleicht vergleichbar mit der adaptiven Dämpfung von damals ist das so genannte satellitenunterstützte Getriebe (SAT), wie es bisher nur von Daimler als Predictive Powertrain Control für den schweren Lastwagen Mercedes Actros erhältlich war. Naja, nicht ganz, BMW hat ein vergleichbares System auch schon an Limousinen angepasst. Mithilfe von GPS-Daten soll es automatisch den richtigen Gang für die vorausliegende Strecke wählen. Unnötige Gangwechsel zum Beispiel in Kurven können dadurch vermieden und der passende Gang für kraftvolles Herausbeschleunigen gewählt werden. Eine Luftfederung mit elektronisch geregelter Dämpferanpassung und Wankstabilisierung soll überragenden Fahrkomfort mit hoher Dynamik verbinden.
Glasfaserkabel im Himmel
Der Wraith ist mit 5,27 Meter deutlich kürzer, aber kräftiger als der 570 PS leistende Ghost und der 460 PS starke Phantom. Relativ gesehen ist er also durchaus agiler, und der Hersteller will den Wagen als Gran Turismo für Gentlemen verstanden wissen. Für die Karosserie benutzt Rolls-Royce den Begriff Fastback und erinnert an die Epoche des Stromliniendesigns in den 30er-Jahren. Auch das ist Tradition: Die beiden Türen öffnen sich als Selbstmörder-Türen entgegen der Fahrtrichtung um den Einstieg zu erleichtern. Geschlossen werden sie elektrisch auf Knopfdruck.
Das noble Ambiente für die vier Passagiere erwartet man von einem Rolls-Royce. Eingesetzt wird beispielsweise eine besondere Edelholzbehandlung: Das "Canadel Panelling" soll das Gefühl wecken, an Bord einer edlen Luxusjacht zu sein. Sportliche Optik findet man nur in Details. So hat der Tacho-Zeiger eine rote Spitze. Der lederne Fahrzeughimmel erhält auf Wunsch in Handarbeit über 1000 leuchtende "Sterne" aus Glasfaser-Lichtleiter. (fpi)