Netzagentur entscheidet "zeitnah" ĂĽber Beschwerden zu Anschlussumschaltung

Nach Anhörungen im Beschwerdeverfahren wegen Verzögerungen bei Anschlussumschaltungen von der Telekom an Wettbewerber will der Regulierer schnell entscheiden. Konkurrenten beklagen einen Rückstand von 100.000 Kunden, die auf eine Umschaltung warten.

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In den Beschwerdeverfahren gegen die Telekom wegen Verzögerungen bei der Übergabe von Anschlüssen an Wettbewerber laufen in den Räumen der Bundesnetzagentur im Bonner Tulpenfeld am heutigen Mittwoch die mündlichen Anhörungen. Beschwert hatten sich die deutsche Telefonica-Tochter und Arcor. Die Konkurrenten beklagen einen Rückstand von 100.000 Kunden, die auf eine Umschaltung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) von der Telekom zu einem anderen Anbieter warten. Ein Telekom-Sprecher wies diese Zahl zurück.

Die Bearbeitungsrückstände sind nicht neu. Schon länger schiebt die Telekom einen Auftragsberg vor sich her. Vielleicht sogar mit Absicht, wie Konkurrenten hinter vorgehaltener Hand unterstellen. Die dem Kunden aufgezwungene Wartezeit nutze die Telekom, um Kunden zurückzugewinnen, klagt auch Jürgen Grützner. Der Chef des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) findet das "schon ein starkes Stück". Allerdings haben auch die Konkurrenten der Telekom ihre Prozesse nicht so im Griff, wie das sein sollte. Konkurrenzkampf und organisatorisches Chaos verursachen dabei enorme Kollateralschäden für die Branche: Das Vertrauen ihrer Kunden steht auf dem Spiel.

Die Bundesnetzagentur hat inzwischen erkannt, dass bei der TAL-Übergabe offenbar noch Regulierungsbedarf besteht. Im vergangenen Jahr regelte die Bonner Behörde das Verfahren neu. Die Telekom soll ihre Kapazitäten erhöhen; Konkurrenten können nun ihren TAL-Bedarf vorab anmelden, müssen diesen dann aber auch abnehmen oder eine Ausfallgebühr zahlen. Vorher orientierte sich die Zahl der Leitungen, die zur Verfügung stehen müssen, am Bedarf der Vormonate. Das reichte angesichts der wachsenden Nachfrage nach DSL-Anschlüssen der Telekom-Konkurrenz nicht mehr aus. Doch auch die Neuregelung scheint nicht zu funktionieren: Die Branche beklagt weiterhin einen signifikanten Rückstand.

Von 100.000 wartenden Kunden will die Telekom allerdings nichts wissen. "Wir weisen diese Zahlen zurück", sagt ein Sprecher auf Anfrage. Doch die Bonner können die grundsätzlichen Probleme auf dem Markt auch nicht wegreden, verweisen aber auf ihre Anstrengungen auf dem Gebiet. Schon jetzt würden den Konkurrenten monatlich 330.000 TALs für DSL-Neuanschlüsse zur Verfügung gestellt und die Anforderungen des Regulierers damit übererfüllt. Ob das zur Deckung der Nachfrage reicht, wollte das Unternehmen nicht sagen. Für den ehemaligen Monopolisten funktioniert der Wettbewerb auf dem TK-Markt trotz des andauernden Lamentos der Konkurrenz gut, das zeige schon die positive Entwicklung bei vermieteten Leitungen. Insgesamt hat die Telekom 6,4 Millionen Teilnehmeranschlussleitungen an Wettbewerber vermietet.

Die Telekom-Konkurrenten hoffen nun auf ein Machtwort aus dem Tulpenfeld. Der Regulierer soll die Telekom dazu zu verpflichten, die ausstehenden Umschaltungen unverzüglich vorzunehmen, fordert der VATM. Das soll auch so schnell wie möglich kommen. Zwar gebe es keine feste Deadline, doch wolle die Regulierungsbehörde schnell entscheiden, sagte ein Sprecher gegenüber heise online: "Wir sind mit Hochdruck dran." (vbr)