Max-Planck-Gesellschaft und FIZ Karlsruhe setzen E-Science-Kooperation fort
Die Projektförderung des Bundesforschungsministeriums läuft zwar aus, doch nun ist die Finanzierung aus Eigenmitteln der beiden Forschungsorganisationen gesichert.
- Richard Sietmann
Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und das Fachinformationszentrum FIZ Karlsruhe werden auch nach dem Auslaufen der Projektförderung durch das Bundesforschungsministerium (BMBF) die Zusammenarbeit bei der Entwicklung IT-gestützter Infrastrukturen und Anwendungen für die Forschung fortsetzen. Das hat der Direktor des Max-Planck-Instituts für Informatik, Professor Kurt Mehlhorn, auf den eSciDoc Days in Karlsruhe erklärt. Bereits im vergangenen Jahr hatten beide Partner die Fortführung der Arbeiten angekündigt. Jetzt ist auch die Finanzierung aus Eigenmitteln der MPG und des FIZ Karlsruhe gesichert. Damit werden wie bisher jeweils rund zehn Mitarbeiter am FIZ sowie der 2006 gegründeten Max Planck Digital Library (MPDL) die Entwicklungen weiter vorantreiben können.
Das Projekt eSciDoc war im Rahmen einer E-Science-Initiative des BMBF 2004 gestartet und vom Forschungsministerium mit insgesamt 6,1 Millionen Euro gefördert worden. In dem Projekt werden Infrastrukturdienste zur Integration, Organisation und Verwaltung von verteilten wissenschaftlichen Ressourcen sowie darauf aufsetzende Anwendungen entwickelt, die den Forscher in seiner Arbeit unterstützen. eSciDoc Services und eSciDoc Solutions sollen im Zusammenspiel eine durchgängig computer- und netzgestützte Arbeitsweise erlauben. Die Infrastruktur folgt dabei dem Ansatz der serviceorientierten Architektur (SOA) mit bedarfsgerecht zusammengestellten Kombinationen von Plug-in-Services. Als eine Anwendung entstand im Projekt der Publication Manager PubMan, der die strukturierte Erfassung, Versionsverwaltung, Verbreitung und Archivierung wissenschaftlicher Veröffentlichungen ermöglicht.
Mit diesem Tool wird derzeit in Zusammenarbeit mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB) Hannover das Leibniz Open Access Repository für die Institute der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) aufgebaut. Das Geoforschungszentrum Potsdam hat gerade demonstriert, dass es damit auch die E-Book-Ausleihe abwickeln kann. Im Ausland wird der PubMan beispielsweise vom National Institute for Materials Science (NIMS) in Japan eingesetzt. Doch "eSciDoc ist kein einzelnes Programm", betonte der für die Infrastruktur zuständige Projektleiter Matthias Razum vom FIZ Karlsruhe, "sondern eine elektronische Forschungsumgebung". So gehören zu den angebotenen Diensten neben der Speicherung, Indexierung und Suche von Objekten unter anderem auch die Zuweisung dauerhafter Identifikatoren für diese Objekte, die Authentifizierung und Rechteverwaltung für den Zugriff oder die Steuerung von Arbeitsabläufen.
Auf dieser Plattform sind einige weitere Projekte bereits in Arbeit oder werden vorbereitet, darunter beispielsweise die EU-weite Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities (DARIAH) oder zusammen mit dem Verlag der Zeitschrift für Naturforschung die Retrodigitalisierung der Jahrgänge dieser Zeitschrift ab 1946 zur Open Access Publikation mit PubMan. In der aktuellen Fördermaßnahme der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu virtuellen Forschungsumgebungen (PDF-Datei) sind acht Einzelanträge unmittelbar mit eSciDoc verbunden. (Richard Sietmann) / (anw)