Siemens fährt Milliardengewinne ein

Der Siemens-Konzern geht gestärkt durch Milliardengewinne in die weitere Aufarbeitung des Schmiergeldskandals.

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  • JĂĽrgen Kuri

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte der von einem Schmiergeldskandal gebeutelte Konzern Siemens dank des Verkaufs des Autozulieferers VDO und operativer Fortschritte einen Gewinn von knapp 6,5 Milliarden Euro nach 788 Millionen Euro vor einem Jahr. "Wir sind gut und stabil unterwegs", sagte Siemens-Chef Peter Löscher laut dpa. "Siemens hat ein starkes Wachstumspotenzial."

Eine weitere Abschwächung der US-Konjunktur fürchtet der Konzern erst auf etwas längere Sicht. "Wir gehen davon aus, dass die Wirkungen der amerikanischen Geschäftskrise nicht unmittelbar auf uns durchschlagen", meinte Löscher. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigte der Siemens-Chef daher: "Beim Umsatz wollen wir mindestens doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt, und das Ergebnis der Bereiche soll mindestens doppelt so stark wachsen wie der Umsatz." Er ließ aber offen, ob es im Geschäftsjahr 2008/09 so gut weiterläuft. Bisher hatte Siemens eine anhaltende Dynamik angekündigt. Diese Prognose wolle Löscher nun nicht wiederholen.

Operativ, ohne die Einnahmen aus dem VDO-Verkauf, erreichte Siemens eine Gewinnsteigerung von immer ncoh 16 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 10 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro, der Auftragseingang um 9 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro. Die Kosten für die Schmiergeldaffäre summieren sich inzwischen auf mehr als 1,5 Milliarden Euro – diese Summe dürfte sich zum Beispiel durch eine drohende Milliardenstrafe in den USA noch deutlich erhöhen.

Die Schmiergeldaffäre kommt den Konzern weiter teuer zu stehen. Im ersten Quartal gab das Unternehmen insgesamt 127 Millionen Euro für Berater und die Verbesserung der Kontrollsysteme aus. Auch für die Zukunft erwartet Siemens nach eigenen Angaben Strafzahlungen, Geldbußen und andere Ausgaben in erheblichem Umfang. Löscher gab sich angesichts neuer Hinweise auf eine mögliche Verwicklung von aktiven Vorstandsmitgliedern in die Affäre gelassen. "Ich vertraue meinem Vorstand." Auf der Hauptversammlung sollte der gesamte Vorstand mit Ausnahme Löschers wegen der neuen Hinweise nicht entlastet werden.

Immerhin ist die US-Börsenaufsicht SEC im Siemens-Schmierskandal nun zu Verhandlungen über einen Vergleich bereit. Die SEC und das US-Justizministerium bewerteten die Entwicklung bei Siemens und die Aufklärung der Affäre positiv, sagte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auf der Hauptversammlung in München. Daher hätten sie nun ihr Einverständnis zu Gesprächen über einen "umfassenden und fairen Vergleich" erklärt. In Branchenkreisen wird laut dpa am Ende eine Milliardenstrafe für Siemens für möglich gehalten.

Ein Sorgenkind bei Siemens ist weiterhin die Verkehrstechnik. Hier brach das operative Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 22 Millionen Euro ein. Einmal mehr musste der Konzern Belastungen wegen der fehlkonstruierten "Combino"-Züge hinnehmen. Die Energieerzeugung lag nach einem Rückgang des Ergebnisses um 20 Prozent auf 135 Millionen Euro weit unter den Zielvorgaben. Ein neues Management solle die Probleme lösen, sagte Löscher. Kräftig die Gewinne steigern konnten unter anderem die Antriebssparte A&D (655 Mio Euro), die Energieübertragung (204 Mio) und die Medizintechnik (332 Mio). Wie angekündigt bekamen die neuen Sektoren Industrie und Energie neue, noch ehrgeizigere Margenziele verordnet. "Wir wollen bei der Ertragskraft zu den besten Wettbewerbern aufschließen", sagte Löscher.

Die Börse nahm die Zahlen von Siemens positiv auf – auch im Rahmen der Kurssteigerungen, die der DAX nach den gestrigen erneuten starken Rückgängen, heute am Vormittag verzeichnete, legte der Siemens-Kurs stark zu. Währen der DAX bis kurz vor 11 Uhr am heutigen Donnerstag um knapp 4,5 Prozent kletterte, stieg die Siemens-Aktie gegenüber dem Schlusskurs des Vortags um knapp 5 Prozent auf 86,30 Euro, nachdem sie im Laufe des Vormittags zwischenzeitlich sogar 87,83 Euro erreicht hatte. (jk)