Ein Bilderdienst, der Bilder versteht
Everpix organisiert und analysiert Fotos mit einer Software, die Bildinhalte automatisch klassifizieren kann.
- Tom Simonite
Everpix organisiert und analysiert Fotos mit einer Software, die Bildinhalte automatisch klassifizieren kann.
Wer die Fotosammlung auf seinem Computer begutachten will, tut dies meist chronologisch und in langen Listen – außer die Aufnahmen wurden zuvor händisch in Ordner ("Hochzeit 2006") oder Kategorien ("Alle meine Urlaube") einsortiert. Das Start-up Everpix aus San Francisco bietet nun eine Alternative zum zunehmenden PC-Bilderchaos: Der Fotodienst hat ein System entwickelt, das über ein Bilderkennungsverfahren jedes Foto auf seinen Inhalt analysiert.
Die Kategorieansicht namens "Explore" steckt seit kurzem als Funktion in den iPhone- und iPad-Apps von Everpix. Sie ergänzt ein bereits bestehendes Werkzeug namens "Highlights", mit dem sich die besten Aufnahmen eines Jahres darstellen lassen. Dabei sucht die Software nach Signalen, die dafür sprechen, dass ein Bild qualitativ hochwertig und interessant sein könnte.
Besonders durch die Smartphone-Kamera-Revolution besitzen immer mehr Menschen Bildersammlungen im vier bis fünfstelligen Bereich. In dieser Dimension wird es schwierig, mit konventionellen Foto-Apps den Überblick zu behalten, sagt Pierre-Oliver Latour, Chef und Mitbegründer von Everpix. "Wir haben deshalbetwas entwickelt, mit dem sich dieses Problem lösen lässt." Es gehe darum, den Nutzern einen neuen Zugang zu ihrer Bildersammlung zu verschaffen. "Mittlerweile verpasst man die interessantesten Aufnahmen oft einfach."
Everpix startete im Jahr 2011 und hat mittlerweile über zehntausend Kunden, die für die Dienste der Firma 49 Dollar im Jahr zahlen. Der durchschnittliche Neunutzer lädt mehr als eine fünfstellige Anzahl Fotos hoch, die von PC und Mac, aber auch Mobilgeräten wie Smartphones und Tablets sowie aus sozialen Netzwerken stammen. Außerdem offeriert die Firma auch einen kostenlosen Dienst, bei dem nur die Aufnahmen der letzten 12 Monate verfügbar sind. Wer mehr will, muss zahlen.
Die meisten Werkzeuge zur Fotoorganisation nutzen einfache Metadaten wie Zeitstempel oder nutzergenerierte Kategorien und Ordner. Programme wie Apples iPhoto, Googles Picasa und auch Facebooks Fotodienst setzen aber zunehmend auch auf Gesichtserkennung, um Bilder bestimmten Personen zuzuordnen.
Everpix nutzt die Gesichtserkennung selbst nicht, kann aber trotzdem ein erstaunlich genaues Verständnis von einem Bildinhalt gewinnen, wie Latour und seine Mitgründer Kevin Quennesson und Wayne Fan erläutern. So lassen sich etwa Fotos erkennen, die Pflanzen, Kleinkinder, Tiere, Wasser, Menschengruppen, Städte, Wald oder Schnee enthalten. Eine Datenbank mit Wortbedeutungen wurde in das System integriert, die ständig erweitert wird.
Das Bildanalysesystem hat Everpix zunächst mittels menschlicher Helfer gefüttert. Dabei labelte ein Team Tausende von Bildern nach Kategorien. Mittlerweile schafft die Explore-Funktion das fast immer von alleine. Geht die Erkennung schief, kann man Everpix dies melden – die Technik ist lernfähig.
Latour sagt, dass die Firma künftig noch weitere Informationen aus Fotos herauslesen will. Für den internen Gebrauch wurde bereits eine Suchschnittstelle entwickelt, mit der sich Bilder gezielt auffinden lassen. Dabei können die Suchbegriffe durchaus komplex sein: "Stadtaufnahmen mit Menschenmengen aus dem April 2012" findet ebenso die richtigen Bilder wie "Naturfotos mit Menschen, die sich in der Nähe der Kamera befinden". Latour wollte noch nicht verraten, ob die neuartige Suchschnittstelle auch für die Everpix-Website gedacht ist. (bsc)