Alternativanwendungen fĂĽr Cellulose-Ethanol
Die Technik, mit der sich Biosprit aus Holzchips, Gräsern und anderen stark Cellulose-haltigen Pflanzenrohstoffen herstellen lässt, kommt nur langsam voran. Neue Nutzungsfelder lassen hoffen.
- Kevin Bullis
Die Technik, mit der sich Biosprit aus Holzchips, Gräsern und anderen stark Cellulose-haltigen Pflanzenrohstoffen herstellen lässt, kommt nur langsam voran. Neue Nutzungsfelder lassen hoffen.
Noch vor wenigen Jahren galt es als ausgemacht, dass bald Großanlagen entstehen würden, in denen Milliarden Liter Biosprit aus stark Cellulose-haltigen Pflanzenrohstoffen produziert werden. Stattdessen gingen zahlreiche dieser hoffnungsfroh gestarteten Firmen in die Pleite oder reduzierten und verschoben ihre Pläne. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen wurde es zunehmend schwerer, Finanzmittel für die grüne Energieform einzuwerben, zum anderen gelang es nicht, die Kosten für die teilweise brandneuen Verfahren auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.
Mittlerweile wirkt es so, als sei die Technik von der Bildfläche verschwunden. Nur noch selten gerät sie in die Schlagzeilen, wenn in den USA beispielsweise über Regierungsvorgaben diskutiert wird, die dafür sorgen sollten, dass ein bestimmter Anteil des verkauften Benzins künftig mit Cellulose-Ethanol versetzt wird.
Dennoch gibt es mittlerweile wieder positivere Zeichen. So kündigte das Start-up ZeaChem Mitte März den Produktionbeginn in einer Demonstrationsanlage an, die immerhin fast 950.000 Liter Cellulose-Ethanol pro Jahr produzieren kann. Zwei weitere Firmen, Ineos und Kior, haben die Bauarbeiten an zwei Großanlagen abgeschlossen, die zwischen 30 und 41 Millionen Liter pro Jahr erzeugen sollen. Derzeit beginnen die ersten Probeläufe. Poet und Abengoa hoffen unterdessen, den Bau von noch größeren Anlagen bis zum Ende des Jahres abzuschließen – dabei geht es um immerhin fast 95 Millionen Liter pro Jahr.
Noch ist nach wie vor unklar, ob Cellulose-Ethanol tatsächlich gewinnbringend produziert werden kann. ZeaChem setzt deshalb gleich auf mehrere alternative Wege. Das Unternehmen kann in seinem neuen Werk nicht nur direkt Biosprit produzieren, sondern alternativ auch Ethansäure, die sich zur Herstellung von Chemikalien wie beispielsweise Propylen nutzen lässt. Andere Unternehmen aus dem Cellulose-Ethanol-Sektor wie beispielsweise Amyris wollen sich ebenfalls zunächst auf die chemische Industrie konzentrieren.
Doch nicht nur der Biospritsektor erweist sich als schwierig, auch der Versuch, sich in der traditionsreichen Chemieindustrie durchzusetzen, wird nicht einfach werden – besonders, wenn man es mit Grundstoffen probiert, die sowieso vergleichsweise billig sind. Propylen entsteht beispielsweise normalerweise bei großen petrochemischen Betrieben in gigantischen integrierten Fabriken, die auch noch diverse andere Chemikalien herstellen. Der Konkurrenzkampf dürfte also hart werden – insbesondere bei vergleichsweise niedrigen Rohölpreisen. (bsc)