Micro Focus will Zusammenarbeit mit Hochschulen bei COBOL intensivieren
Mit weitreichenden Änderungen seines Academic Program reagiert das Softwarehaus auf den Schwund an COBOL-Entwicklern und will sich nun auch verstärkt um deutsche Lehr- und Schulungsorganisationen kümmern.
- Alexander Neumann
Im Zuge der Studie zum COBOL-Lehrangebot an Universitäten hat das britische Unternehmen Micro Focus sein 2008 eingeführtes Academic Program erweitert. Durch die Studie war offenbar worden, dass nur noch 27 Prozent der für eine Studie weltweit befragten 119 Universitäten die neben FORTRAN und Lisp wohl älteste noch eingesetzte Programmiersprache auf dem Lehrplan haben.
Das daraus resultierende Problem ist, dass das Wegbrechen von COBOL-Entwicklern, die demnächst in Rente gehen oder schon aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, nur bedingt abgefangen werden kann. Fühlt man sich zum Beispiel in Deutschland bei IBM im Bereich des Mainframes durch Initiativen wie die European Mainframe Academy oder U30 zTalents gegen den Schwund der älteren Semester gut gerüstet, sieht die Sache bei den COBOL-Entwicklern laut Roland Trauner, Mainframe Platform Brand Manager bei IBM Deutschland, tatsächlich anders aus. Hier passiert laut Rolf Becking, Senior Technical Account Manager bei Micro Focus, fast nichts, weswegen COBOL-Unternehmen vorrangig selbst in die Ausbildung des Nachwuchses investieren müssen.
Das Ziel des akademischen Programms ist es, Bildungseinrichtungen und Studenten bei der Vermittlung von COBOL-, CICS- oder JCL-Kenntnissen besser zu unterstützen. Hierzu hat Micro Focus Produkte wie die Enterprise Developer Personal Edition entwickelt, ein kostenloses Tool für die "Modernisierung" von IBM-Mainframe-Programmen, das Entwickler aus verbreiteten Entwicklungsumgebungen wie Eclipse oder Visual Studio heraus bei ihren Anwendungen nutzen können.
Allzu viel Bemühungen, die deutschen Lehr- und Schulungsanstalten auf das Academic Program hinzuweisen, hat es seitens Micro Focus bislang nicht gegeben, allein die Leipziger Universität hat das Angebot bislang auf Hochschulseite angenommen. Das soll sich nun ändern. Im ersten Schritt wird Micro Focus mit einer E-Mail-Kampagne die Universitäten anschreiben, um sie auf das Programm aufmerksam zu machen und ihnen Gründe zu erläutern, warum COBOL auf den Lehrplan sollte. Im zweiten Schritt werden regionale, allerdings noch nicht genauer bestimmte Aktivitäten erfolgen.
Zum Paket von Micro Focus' Hochschulprogramm gehören unter anderem die freie Nutzung von Tools wie Enterprise Developer und Visual COBOL für Studenten und Lehrkräfte im Rahmen von universitären Ausbildungs- und Forschungszwecken und der kostenlose Zugang zum Online-Produkt-Support Außerdem gibt es Zugriff auf COBOL-Kursunterlagen, Internet-Schulungen für Lehrkräfte, Unterstützung bei der Durchführung von Forschungsarbeiten und die Hilfe bei der Durchführung von Programmierwettbewerben. (ane)