Bret Drakes Traum vom Mars
Dass die US-Raumfahrtbehörde NASA jemals einen bemannten Flug zum Mars unternimmt, wird immer unwahrscheinlicher. Männer wie Bret Drake planen dennoch unverdrossen weiter die lange Reise.
- Robert Thielicke
Dass die US-Raumfahrtbehörde NASA jemals einen bemannten Flug zum Mars unternimmt, wird immer unwahrscheinlicher. Männer wie Bret Drake planen dennoch unverdrossen weiter die lange Reise.
Es waren dramatische Stunden für die NASA. Im August 2012, nach einer Reihe gewagter und präziser Manöver, stürzte das tonnenschwere Robotervehikel Curiosity am Morgen des 5. 8. auf den Mars zu. Von Fallschirmen gebremst, fiel die Raumkapsel mit dem Rover durch die Mars-Atmosphäre und entfaltete schließlich ihren „Himmelskran“, den Sky Crane, um Curiosity um 10.42 Uhr sicher auf seinem vorgesehenen Landeplatz abzustellen. Über 150 Millionen Meilen von der Erde entfernt soll das Gerät herauszufinden, ob es auf dem Roten Planeten Leben gibt oder je gegeben hat.
Als ich das Johnson Space Center der NASA in Houston einige Tage späte besuchte, erwartete ich eigentlich, dass die Mitarbeiter dort sich noch im Glanz dieses Erfolges sonnen würden. Aber der Mars ist in Houston kein gutes Thema – besonders nicht bei den NASA-Mitarbeitern, die glauben, dass dort Menschen statt Roboter forschen sollten. Mitarbeiter wie Bret Drake. Der 51-Jährige denkt seit 1988 über die bemannte Mars-Mission nach. In seinem langen, schmalen Büro im Hauptgebäude des weitläufigen Hauptquartiers in Houston hat Drake einen Ablaufplan skizziert. Er zeigt, wie sechs Astronauten in sechsmonatigen Flügen zum Mars geschickt werden könnten und was sie dort eineinhalb Jahre tun würden, bevor sie wieder sechs Monate lang zurückfliegen.
1988 plante die NASA, Menschen im Jahr 2004 erneut auf dem Mond landen zu lassen. Marsreisen sollten zum jetzigen Zeitpunkt beginnen. „Genau wie Kolumbus träumen wir von fernen Küsten, die wir noch nie gesehen haben“, sagte der damalige Präsident George H. W. Bush am 20. Juli 1989, dem 20. Jahrestag der ersten Mondlandung. „Warum der Mond? Warum zum Mars? Weil es die Bestimmung der Menschheit ist, zu streben, zu suchen und zu finden.“ Auch Bushs Sohn, Präsident George W. Bush, und sein Nachfolger Barack Obama haben die bemannte Mars-Forschung zum Ziel der NASA erklärt. Nach den derzeitigen offiziellen Plänen soll das Ziel in den 2030er-Jahren erreicht werden. Aber die nötige Finanzierung hat keine der beiden US-Regierungen dafür bereitgestellt.
So bleibt es beim völligen Stillstand, in dem das Projekt seit 2008 verharrt. Damals verbot der Kongress der NASA kurzerhand, weitere Mittel darauf zu verwenden, die bemannte Erkundung des Mars voranzutreiben. Denn nach Schätzungen der Raumfahrtbehörde würden sich die Kosten einer solchen Mission auf satte 500 Milliarden Dollar über 30 Jahre belaufen. „Mars wurde zu einem Tabuwort“, beklagt Drake, der stellvertretende Chef des bemannten Raumfahrt-Architekturteams. Trotzdem arbeiten er und seine Kollegen weiter, um sich alle Option offenzuhalten. Wie bei vielen langjährigen NASA-Mitarbeitern fehlt Drake jeder übersprudelnde Eifer. Er bleibt zurückhaltend und spricht in einfachen Worten, wenngleich seine Frustration über die endlosen Studien spürbar wird, die seine Gruppe erstellen musste, statt eine wirkliche Mars-Mission zu planen.
Was auf die Astronauten zukommen würde, macht die „Design-Referenzarchitektur“ klar, die Drake und seine Kollegen 2009 fertiggestellt haben. Mehr als zwei Jahre im All unterwegs zu sein, würde die Raumfahrer länger der Isolation und Schwerelosigkeit aussetzen als je zuvor. Der bisher längste Aufenthalt eines Menschen im All dauerte 14 Monate. Potenziell tödliche kosmische Strahlen, die normalerweise von Magnetfeld und Atmosphäre der Erde abgeblockt werden, würden die Raumfähre während des Fluges treffen und die Astronauten auch auf dem Mars bedrohen. Die NASA könnte die normale Hintergrundstrahlung im All zwar durch die Beschichtung der Fähre und Mars-Behausung abschirmen. Aber für gelegentliche Sonnenstürme mit ihren weit höheren Strahlendosen bräuchte es wohl spezielle Schutzräume – und geeignetere Vorhersagemethoden, damit die Astronauten Zeit haben, sich bei Gefahr dorthin zurückzuziehen. (rot)