Kreatives Leiden

Wie werden Wissenschaftler mit Rückschlägen fertig? Manchmal besingen sie sie höchst kreativ, wie der musikalische Wettbewerb „Lab Grammy“ zeigt.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Wie werden Wissenschaftler mit Rückschlägen fertig? Manchmal besingen sie sie höchst kreativ, wie der musikalische Wettbewerb „Lab Grammy“ zeigt.

Jeder Wissenschaftler sucht sich sein eigenes Ventil, um mit beruflichem Frust umzugehen. Mancher chillt wie die Nerds von „The Big Bang Theory“ tatsächlich mit Sci-fi-Serien und Rollenspielen. Viele Doktoranden lesen den nach ihnen benannten PhD-Comic, der typische Ausnutzungerscheinungen anprangert. Und immer mehr Forscher besingen ihren Alltag und setzen ihn gekonnt filmisch in Szene. So auch Nathaniel Krefman von der University of California in Berkeley, der unlängst den „Lab Grammy“ für die beste musikalische Wissenschaftsparodie erhalten hat. Ausgerichtet wird der jährliche Wettbewerb vom Fachmagazin „Biotechniques“.

Krefmans Biolyrik zur Melodie von Gotyes Song „Somebody that I used to know” holpert zwar stellenweise ein bisschen. Doch sein aus roter Knete modelliertes Forschungsobjekt – eine Hefe namens Saccharomyces – wirkt schnell sympathisch. Dank Stop-Motion-Technik verzieht sie ihr Gesicht und kneift ihre großen Kulleraugen zusammen, während der Forscher sie immer neuen Experimenten unterwirft. Doch es hilft alles nichts, das Budget der NIH (National Institutes of Health) ist geschrumpft und Forschung mit Hefe ist nicht mehr sexy genug. „Oh, ich könnte Förderung kriegen, wenn Hefe bluten oder an Geschlechtskrankheiten leiden würde“, dichtet Krefman über die Gründe der Ablehnung.

So aber muss er sich vielleicht bald ein neues Forschungsobjekt suchen – und aus dem Original-Songtitel wird „Now you’re just some budding yeast I used to know“ (Jetzt bist Du nur noch irgendeine sprossende Hefe, die ich mal kannte). Ob die NIH das Video gesehen und seine Meinung vielleicht geändert hat, ist nicht bekannt. Es wäre aber ein ganz spaßiger Gedanke, wenn Förderanträge neben all den Fakten auch ein kleines Bewerbervideo à la „Lab Grammy“ enthalten müssten. Ein bisschen „Science Slam“ würde auf beiden Seiten für bessere Laune sorgen. (vsz)