Microsoft verbreitet Optimismus über die Wirtschaftsentwicklung
Der Softwarekonzern hat um 500 Millionen US-Dollar höher als erwartet Einnahmen durch mehrjährige Verträge mit Unternehmenskunden in Aussicht.
So mancher Beobachter der kürzlichen Börsenturbulenzen mag sich am Donnerstag beim Blick sogar in das Boulevardblatt "Bild" gewundert haben, in der sich der "ungeduldig optimistische" Microsoft-Mitgründer Bill Gates zuversichtlich über die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft geäußert hat. Jetzt, da die ausgesprochen guten Quartalszahlen seines Konzerns bekannt wurden, dürfte das Wundern nachgelassen haben. Obendrein haben der für Investoren zuständige Microsoft-Manager Colleen Healy und Finanzchef Chris Liddell auf eine Summe für mehrjährige, noch nicht als Umsätze verbuchte Firmenaufträge hingewiessen, die um 500 Millionen US-Dollar höher liegt als zuvor erwartet. Vor diesem Hintergrund werde sich aus Sicht seines Unternehmens der Markt der IT-Investitionen voraussichtlich stabil entwickeln, meint Healy.
Anders als Intel und Apple hatte sich Microsoft gestern weniger verhalten über seine Zukunftsaussichten geäußert und Balsam für die geplagten Seelen der Analysten gespendet. Dadurch werde nicht nur die Microsoft-Aktie gestärkt, meint der Finanzexperte Chuck Jones laut Bloomberg, sondern die Zuversicht der Investoren in den Hightech-Sektor insgesamt. Ein anderer Experte zeigte sich überrascht, dass mit Microsoft ausgerechnet ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren mit gemäßigten Wachstumserwartungen aufwartete, nun derart vorprescht. Der Softwarekonzern hatte 87 Prozent Zuwachs beim operativen Gewinn und um 79 Prozent beim Nettogewinn gemeldet und seine Erwartungen für das Geschäftsjahr angehoben.
Die Investoren in den USA wurden unter anderem vor gut zwei Wochen durch Äußerungen des AT&T-Vorstandschefs Randall Stephenson aufgeschreckt, in denen er darauf hinwies, dass diverse Kunden ihre Festnetzrechnungen nicht mehr bezahlen könnten. Stephenson wurde daraufhin in Medienberichten mitunter vorgeworfen, er schüre Rezessionsängste. Microsoft-Manager Lidell mochte diese gestern auch nicht komplett nehmen, denn er sagte, das Wachstum auf dem PC-Markt habe seinem Unternehmen dabei geholfen, den Effekten einer verlangsamten US-Wirtschaft zu entgehen. Der Konzern erziele rund 60 Prozent seines Umsatzes im Ausland, daher sei er für die Eventualitäten der US-Wirtschaft weniger empfindlich. Das Wall Street Journal rechnet vor, dass Microsoft beim Vista-Verkauf insbesondere von der weihnachtlichten Nachfrage der Privatkunden nach neuen PCs profitiert habe, während Geschäftskunden noch auf Updates warten oder gar bis zum Erscheinen des Vista-Nachfolgers vermutlich Ende kommenden Jahres.
Microsoft mag zu einem Optimismusschub beitragen; aus Sicht von Analysten, die die Financial Times Deutschland zitiert, war für die gute Börsenstimmung in den USA ein Medienbericht wichtig gewesen, laut dem der Milliardär Wilbur Ross den unter Druck geratenen US-amerikanischen Anleiheversicherer Ambac kaufen wolle. Dadurch sei die Wall Street und auch der Nikkei-Index in Japan beflügelt worden. Schließlich ist heute im Nachklapp der deutsche Aktienindex DAX kurz nach Start des Börsenhandels schon einmal über die Marke von 7.000 Punkten gestiegen und pendelt kurz vor Mittag mit einem Plus von bis zu 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag zwischen 6.900 und 7.000 Punkten. (anw)