Technik-Pioniere entwickeln neue Fischfarming-Konzepte
Der Welthunger nach Fisch steigt, aber die Meere sind leer. Neue Farming-Technologien zu Wasser und zu Land sollen die Probleme der Aquakultur lösen und die Menschheit mit nachhaltigem Fisch versorgen.
- Jens Lubbadeh
Technik-Pioniere in Hawaii haben erfolgreich mobile Fischfarmen im Einsatz getestet, wie Technology Review in seiner neuen Ausgabe 04/2013 berichtet (das Heft können Sie hier online bestellen). Diese Aquapods sind kugelförmige Fischkäfige von Durchmessern bis zu knapp 20 Metern. Die Käfige bestehen aus einem Plastikgerüst, sind aber mit einem Gitter aus einer Kupfer-Nickel-Legierung umhüllt. In ihnen können bis zu 60.000 Fische auf einmal bis zur Schlachtreife herangezogen werden. Die Aquapods werden bereits weltweit eingesetzt, allerdings am Meeresboden verankert. Neil Sims, Chef der hawaiianischen Aquakultur-Firma Kampachi Farms, hat diese Kugelkäfige erstmals frei im offenen Meer treibend getestet. Mit Erfolg: „Das Wachstum war phänomenal“, sagt Sims.
Der Vorteil dieser Offshore-Aquakultur: Die Fische hatten ständig frisches Wasser und nahezu artgerechte Bedingungen. Denn Aquakultur wie sie heute betrieben wird, meist in Küstennähe, belastet die Umwelt und ist nicht nachhaltig.
Neue Fischfarming-Konzepte werden aber auch an Land getestet: Im saarländischen Völklingen wurde kürzlich die erste Kreislaufanlage für die Zucht von Meeresfischen eröffnet. Die 20-Millionen-Euro-Anlage hat die neueste und beste Filtertechnologie zu bieten, die es derzeit gibt, versichert Uwe Waller. Und man braucht sie auch, denn „Meeresfische reagieren äußerst empfindlich auf Verunreinigungen im Wasser“. Die gesamte Anlage ist ein komplexes Kreislaufsystem – ein kleines Meer auf dem Festland. In ihr müssen all die Prozesse stattfinden, die normalerweise im Ozean ablaufen. Sie soll jährlich rund 500 Tonnen Wolfsbarsch, Dorade, Stör und Gelbschwanzmakrele produzieren.
Die Welt ist auf Nachschub aus den Farmen angewiesen: Zwei von drei Fischen, die auf unseren Tellern landen, stammen aus dem Meer, aber nur mit wenigen Arten gelingt die Zucht. Der Output der Fischerei stagniert seit etwa 20 Jahren, rund ein Drittel der Fischgründe sind überfischt. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Bei dem derzeitigen Pro-Kopf-Verbrauch müssen bis 2030 für die dann geschätzten 8,3 Milliarden Erdbewohner zusätzliche 23 Millionen Tonnen Fisch her, hat die Welternährungsbehörde FAO errechnet.
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(jlu)