Elrob 2009: Auch das Scheitern bringt Erkenntnisse
Im finnischen Oulu standen heute die letzten Wettbewerbe des diesjährigen "European Land-robot trial" an - und eine doch etwas enttäuschende Gesamtbilanz: Die Roboter-Leistungsschau hat in diesem Jahr eine Talsohle durchlaufen.
- Hans-Arthur Marsiske
(Bild:Â Andreas Birk, Jacobs University)
Am Ende war beim Veranstalter der Elrob eine leichte Enttäuschung zu spüren. Das hatte zum Teil mit der geringen Zahl der teilnehmenden Teams zu tun. Die weite Anreise nach Oulu hatte offenbar abschreckend gewirkt. So hatten sich für die ersten beiden Szenarien "Autonomous Navigation" und "Mule" (bei dem es um das Lernen einer Strecke und möglichst häufiges Abfahren derselben ging) lediglich jeweils vier Teams angemeldet, von denen eins kurzfristig absagen musste. Andere hatten mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Beim Mule-Szenario zeigte am Ende lediglich das Team der Universität Hannover eine akzeptable Leistung. Damit war es schwierig, den Grad an Interesse und Spannung aufrechtzuerhalten, der für einen Wettbewerb erforderlich ist.
Die Teilnehmerzahl, so die allgemeine Einschätzung, bewegte sich in diesem Jahr am erforderlichen Minimum. Mit noch weniger Teams würde sich die Durchführung einer Elrob kaum noch lohnen. Cheforganisator Frank Schneider hofft aber, dass die nächste zivile Elrob im Jahr 2011 in Belgien aufgrund der günstigeren geografischen Lage wieder mehr Teilnehmer anziehen wird. Außerdem sollen demnächst alle potenziell interessierten Forschungsgruppen kontaktiert und zur Teilnahme aufgefordert werden. Bei der nächsten militärisch ausgerichteten Elrob, die im kommenden Mai in Hammelburg stattfindet, wird ohnehin mit mehr teilnehmenden Teams gerechnet.
Die Enttäuschung resultiert aber auch daraus, dass die erkennbaren Fortschritte geringer ausfielen als erhofft. "Es ist ein Niveau der Entwicklung erreicht", sagte Schneider bei der Abschlussbesprechung. Ein Stück weit sind solche Konsolidierungsphasen normal, keine Technologie entwickelt sich linear und mit konstantem Tempo. Schneider äußerte aber auch Unverständnis darüber, dass die meisten Teams weiterhin auf Fernsteuerung der Roboter setzten. Dabei war in den Vorbesprechungen der Schwerpunkt ausdrücklich auf autonome Fähigkeiten gelegt worden. Entsprechend war das Gelände ausgewählt: Dichter Baumbewuchs und Metallzäune sorgten dafür, dass die Funkverbindung über die volle Distanz kaum aufrechtzuerhalten war. Doch statt die Autonomie der Roboter zu erhöhen, setzten viele Teams auf höhere Antennen oder stärkere Sendeleistung. Als Konsequenz denkt Schneider darüber nach, in Zukunft Fernsteuerung grundsätzlich zu verbieten.
Auch sonst wird das Regelsystem angepasst werden müssen. So muss "Autonomie" präziser definiert werden. Dieses Mal versuchten manche Teams den Anteil ihrer manuellen Eingriffe zu reduzieren, indem sie die Roboter geradeaus fahren ließen, die Hände vom Bedienungspult nahmen und sagten: "Jetzt fährt er autonom." Zukünftig könnte daher als Kriterium nicht die aktive Steuerung, sondern die Aufmerksamkeit des Operators als Kriterium herangezogen werden. Auch solche Regelanpassungen sind normal bei Roboterwettbewerben, die sich ebenso wie die Technologie weiterentwickeln müssen. Natürlich wollen alle Teams gerne eine gute Platzierung erreichen und nutzen dafür auch immer wieder Lücken im Regelwerk.
Zum gestrigen Wettbewerbstag ist noch nachzutragen, dass das Team der Universität Würzburg nach dem abgebrochenen ersten Versuch beim Szenario "Camp Security" ein zweites Mal antreten und diesmal einen Eindringling lokalisieren konnte. Allerdings musste der Lauf erneut vorzeitig abgebrochen werden. Ein Problem ist sicherlich, dass viele Teammitglieder, die zum Würzburger Erfolg auf der C-Elrob 2007 beigetragen haben, nicht mehr dabei sind. Die neuen Mitarbeiter sind aber noch nicht weit genug eingearbeitet.
Auch Airrobot trat zusammen mit der Jacobs University Bremen bei diesem Szenario an. Der Flugroboter wurde zunächst in bis zu 75 Meter Höhe gebracht, wo er autonom seinen vorgegebenen Patrouillenkurs abflog. Zielpersonen, die von dort erkannt wurden, wurden dann manuell verfolgt. Auf diese Weise gelang die Identifizierung von sechs Eindringlingen, allerdings ohne genaue Lokalisierung.
Das Szenario Camp Security wird es aber zukünftig wohl nicht mehr geben. Major Achim Hesse, der die nächste militärische Elrob organisiert, sagte, dass die Bundeswehr sich auf die in naher Zukunft realisierbaren Technologien konzentrieren wolle. Das sind in erster Linie Roboter für Aufklärungs- und Überwachungsmissionen sowie unbemannte Fahrzeuge für Transportaufgaben. Das im vergangenen Jahr erstmals durchgeführte Camp-Security-Szenario habe gezeigt, dass Wachroboter noch zu weit von der Einsatzreife entfernt seien.
Bei der diesjährigen zivilen Elrob wurde die Camp Security auf ausdrücklichen Wunsch der Teams noch einmal aufs Programm gesetzt. Das Ergebnis scheint die Einschätzung der Bundeswehr zunächst zu bestätigen. Aber Ingenieure und Naturwissenschaftler wissen, dass auch gescheiterte Experimente niemals vergeblich sind. Elrob mag in diesem Jahr eine Talsohle der Entwicklung erreicht haben. Doch die hierbei gewonnenen Erkenntnisse mögen in den kommenden Jahren für einen umso rasanteren Aufstieg sorgen.
Siehe zur Elrob 2009 auch:
- Roboter auf Wachpatrouille
- Schildersuche im Tiergarten
- Leistungstest fĂĽr Roboter - Motivationsschub fĂĽr die Forscher
(Hans-Arthur Marsiske) / (pmz)