Vivendi-Chef Lévy glaubt an das Überleben der CD

Der Chef des Medienkonzerns sieht für die CD eine bessere Zukunft, als sie der Schallplatte seinerzeit beschieden war.

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  • dpa

Jean-Bernard Lévy, Chef des Medienkonzerns Vivendi, zu dem auch die Musikfirma Universal gehört, glaubt auch im Downloadzeitalter an ein Überleben der Musik-CD. "Die CD hat noch viele, viele Jahre vor sich. Eine Menge Menschen werden weiterhin ein Produkt kaufen wollen, das sie anfassen können", sagte er am Samstag auf dem Musik-Internet-Kongress Midemnet in Cannes. Der derzeitige Wandel im Musikgeschäft sei nicht zu vergleichen mit den 80-ern, als die analoge Schallplatte von der digitalen CD praktisch komplett abgelöst wurde. "Es wird in Zukunft viele verschiedene Kanäle und Formate geben, über die Musik läuft - darunter auch die CD."

Die Umsätze der Plattenbranche sind in den vergangenen Jahren vor allem wegen des millionenfachen Musikdateientauschs im Internet kontinuierlich gesunken, dennoch "ist nicht alles so schwarz, wie es scheint", sagte Lévy. Der Marktführer Universal habe im vergangenen Jahr den Umsatz gegen den Trend stabil gehalten, die Gewinnmarge läge im zweistelligen Prozentbereich. "Der Entertainmentsektor insgesamt wächst, auch getrieben von neuen Technologien", der Musikbereich können mitwachsen, wenn man kreative Lösungen finde.

"Der Verkauf digitaler Musik über das Internet oder per Handy ist im vergangenen Jahr auf 15 Prozent des Gesamtmusikmarktes gestiegen. Vielleicht wächst er in diesem Jahr auf 20 Prozent, wer weiß", sagte er. Der Rest sei aber immer noch CD-Geschäft. "Wir haben einen sehr breitgefächerten Markt."

Die Probleme beim britischen Konkurrenten EMI, der bis zu 2000 seiner weltweit 5500 Mitarbeiter entlassen will, sieht er kritisch. "Wir möchten gerne starke Konkurrenten, starke Major Labels haben. Das hilft der Musikindustrie insgesamt." Dennoch habe Universal natürlich von der EMI-Krise profitiert. "Wir konnten dadurch einige gute Mitarbeiter gewinnen, und Künstler auch". So haben sich die Rolling Stones von EMI abgewendet und werden ihre nächste Platte, den Soundtrack zur Band-Dokumentation "Shine A Light" von Martin Scorsese, bei Universal herausbringen.

Die Plattenfirma Universal Music hat Popstars wie U2, Rihanna und Amy Winehouse unter Vertrag und ist mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent weltweit die Nummer eins; in Deutschland stieg der Marktanteil im vergangenen Jahr nach Unternehmensangaben sogar auf 35 Prozent. Der Verlag Universal Music Publishing ist nach der kürzlichen Übernahme der BMG Music Publishing in seiner Sparte ebenfalls die Nummer eins. Die gesamte Universal Music Group gehört zu dem börsennotierten französischen Medienkonzern Vivendi (vormals Vivendi Universal), der im 2006 mehr als 20 Milliarden Euro umsetzte. (dpa) / (mw)