3D-Grafik: Nvidia kontert ATI-Neuvorstellung
Mit dem GeForce2 GTS will Nvidia gegen ATIs Neuvorstellung Radeon256 angehen; ATIs Chip scheint aber einige neue Funktionen mehr bieten zu können.
Nachdem Konkurrent ATI mit dem Radeon256 hohe Vorgaben machte, kontert Nvidia auf der WinHEC in New Orleans mit dem GeForce2 GTS.
Der 3D-Grafikchip (intern als NV15 bezeichnet) ist mit 25 Millionen Transistoren nicht ganz so komplex wie der ATI-Baustein (30 Millionen Transistoren), bietet aber vier Rendering-Pipelines mit jeweils zwei Textur-Units. Mit dieser Ausstattung liefert der Chip pro Takt vier doppelt texturierte Pixel. Wie der Radeon256 ist auch der GeForce2 GTS für 200 MHz Chiptakt und einen theoretischen Durchsatz von 30 Millionen Dreiecken pro Sekunde ausgelegt. Die acht Textur-Einheiten kommen theoretisch auf 1,6 Gigatexel pro Sekunde, was Nvidia zu dem Zusatz GTS für Giga Texel Shader veranlasste. Der maximal mögliche Speichertakt liegt mit 450 MHz etwa 12 Prozent höher als beim Radeon256. Die verfügbare DDR-DRAMS mit 6 ns lassen zurzeit aber nicht mehr als 333 MHz zu. Wie der Radeon256 besitzt der GeForce2 einen integrierten TMDS-Transmitter für LC-Flachbildschirme bis 1280 x 1024 Bildpunkte.
Durch den 0,18-µm-Fertigungsprozess liegt die Leistungsaufnahme mit 8 Watt um 50 Prozent niedriger als beim Vorgänger, was im c't-Labor bereits bestätigt werden konnte. Probleme mit überlasteten Mainboards sollten beim GeForce2 nicht mehr auftreten. Der Geforce2 verfüge ferner über "pixel shader" zur Darstellung realistischen Reflexionsverhaltens von Materialien. Nvidia hat bislang aber nicht genau spezifiziert, worin diese Funktionen bestehen. "Environment Mapped Bump Mapping" wird nicht explizit erwähnt. Eventuell wertet das Nvidia-Marketing hier nur das bereits beim Vorgänger mögliche "Dot Product3 Bump Mapping" aus.
Nvidia demonstriert die jetzt auch im OpenGL-Treiber eingebaute Textur-Kompression mit einem eigenen Quake3-Level "Area 15" und bietet ein 2-Sample-Full-Screen-Antialiasing an. Diese Funktion konnte im Test durch c't mit den verfügbaren Treibern der Version 5.13 jedoch nicht überzeugen. Selbst bei einem auf 385 MHz hochgesetzten Speichertakt sank die Framerate in Quake3 bei 1024 x 768 mit 16 Bit von 90 Bildern pro Sekunde auf 40 bis 44 Bilder pro Sekunde. Bei Spielen für DirectX 7.0 ist die Leistungseinbuße noch drastischer. Dabei liefert das Zweifach-Antialiasing im Vergleich zum Vierfach-Antialiasing nur eine leichte Unterdrückung der Treppeneffekte an schrägen Kanten. Ohne Antialiasing erreicht der GeForce2 GTS auf einem 750-MHz-Pentium-III-System etwa 15 bis 22 Prozent höhere Bildraten als sein Vorgänger GeForce256. Einen ausführlichen Testbericht bringt c't in Ausgabe 10/2000.
Im Vergleich erscheint der GeForce2 GTS nicht so innovativ wie ATIs Radeon256. Dieser soll mit HyperZ die Speicherbandbreite besser nutzen und verfügt über mehr Bump-Mapping-Funktionen. Spieleprogrammierern bietet er mit 3D-Texturen, 3D-Schatten, vierfachem Vertex Skinning und Objektmorphing für Character Animation eine ganze Reihe interessanter neuer Techniken, um noch realistischere Spielfiguren und Szenerien erzeugen zu können. Allerdings dauert es in der Regel mindestens ein Jahr, bis Spiele neue Chipfunktionen auch benutzen.
Nvidias Roadmap sieht bereits für den Herbst die nächste Chiparchitektur vor (NV20), die voraussichtlich Funktionen von DirectX 8 unterstützen wird. Dazu gehören programmierbare T&L-Einheiten, die, von entsprechenden Micro-Programmen (Vertex Shader) gesteuert, dynamische Objekte erzeugen können, die pulsieren oder sich mittels inverser Kinematik bewegen. (Manfred Bertuch) (jk)