Flugverkehr: Besserer Service und mehr Kundenbindung per Handy
Geht es nach dem Luftfahrt-IT-Dienstleister SITA, sollen Fluggesellschaften und Flughäfen in Zukunft ihre Kunden stärker per Handy betreuen. Durch Fluggast-Tracking könnten beispielsweise Abflugverzögerungen reduziert und Millionen eingespart werden.
- Christian Kirsch
In einem Bericht beschreibt die SITA (Société Internationale de Télécommunication Aéronautique), welche Möglichkeiten aus ihrer Sicht die starke Verbreitung von Handys im Flugverkehr biete. Die als Genossenschaft von Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern gegründete IT-Firma möchte in Zukunft nicht nur Flugdaten, sondern auch Visa, Pässe und Gepäckdaten auf Mobiltelefonen speichern. Aus ihrer Sicht hätten alle Beteiligten nur Vorteile: Passagiere müssten weniger Zeit in Warteschlangen verbringen, erhielten rechtzeitig einen Hinweis auf das Abflug-Gate und bekämen Zugang zu Anwendungen, mit denen sie ihre Reisepläne jederzeit ändern können. Fluggesellschaft und Airports wiederum sparten Kosten, könnten das "Reiseerlebnis" der Passagiere persönlicher gestalten und bekämen die Möglichkeit, zusätzliche Umsätze durch direktes Marketing zu erzielen.
Einsatzbereiche für Handys sieht die Studie "How Mobile Technology will Enhance Passenger Travel" bei der Unterrichtung über Verspätungen, beim Einchecken und beim Ersatz von Papierunterlagen. Ende 2009 würden, so SITA, mehr als drei Viertel aller Fluggesellschaften ihren Kunden das mobile Einchecken ermöglichen, Sitzplatz- oder Essensauswahl seien ebenso denkbar wie das Ausfüllen von Einreiseformularen. Außerdem ließen sich laut einer Untersuchung der Cambridge University durch Ortsbestimmung via Handy (sogenanntes Fluggast-Tracking) Abflugverzögerungen um 6 Prozent reduzieren und dadurch insgesamt rund 600 Millionen US-Dollar (382 Millionen Euro) pro Jahr sparen.
Mobiltelefone ermöglichten es außerdem, neue Einnahmequellen zu erschließen. Die Geräte seien ständig eingeschaltet, was in Kombination mit Ortsbestimmung genaueres Marketing erlaube. Einer Studie von PhocusWright zufolge seien 30 Prozent aller Reisenden daran interessiert, unterwegs Sonderangebote auf ihr Telefon geschickt zu bekommen.
Trotzdem sieht SITA die Zukunft nicht nur in rosigen Farben: Sorgen der Passagiere hinsichtlich ihrer Daten müsse man ernst nehmen. Für Dienste wie mobiles Marketing und Ortsbestimmung gäben sie Teile ihrer Privatsphäre auf. Außerdem müsse man damit rechnen, dass nicht jeder ein Handy habe und dass die Geräte verloren gingen. (ck)