Die App-Ă–konomie: Ein Lottospiel
Ăśber 80 Milliarden Apps dĂĽrften dieses Jahr heruntergeladen werden, Entwickler machen Schlagzeilen, die ihre Anwendungen fĂĽr Millionen verkauft haben. Doch nicht jede App ist so erfolgreich. Der Alltag der meisten Entwickler ist hart.
- Andrej Sokolow
- dpa
Ein 17-Jähriger heimst 30 Millionen Dollar mit dem Verkauf seiner Smartphone-App an Yahoo ein, ein Mail-Programm wechselt nach nicht einmal sechs Wochen für angeblich 100 Millionen Dollar den Besitzer: Die Entwicklerszene ist im Goldrausch. Doch die jüngsten Erfolgsgeschichten sind glückliche Ausnahmen, ähnlich einem Lottogewinn. So gewaltig der Markt und das Wachstum im Geschäft mit mobilen Anwendungen für Smartphones und Tablet-Computer auch sind – der Alltag der meisten App-Entwickler besteht aus harter Arbeit und wenig Geld.
Nach Prognosen des Marktforschers Gartner werden in diesem Jahr über 80 Milliarden Apps heruntergeladen, 2014 sollen es schon mehr als 130 Milliarden sein und 2016 sogar über 300 Milliarden. Diese Erwartungen dürften wahrscheinlich noch übertroffen werden. Allerdings sind über 90 Prozent davon Gratis-Downloads, die ihren Entwicklern Geld erst über Werbeeinnahmen oder Zusatz-Angebote wie etwa In-App-Käufe von virtuellen Gütern für Spiele einbringen. Die Nutzer sind es inzwischen gewohnt, zunächst vor allem nach kostenlosen Apps Ausschau zu halten.
(Bild:Â dpa)
Und dann ist da noch die Gefahr, im App-Ozean unterzugehen. Allein der iTunes-Store für Apples iPhones und iPads zählt inzwischen mehr als 750.000 Anwendungen. "Eine gute App zu machen, das reicht nicht. Man muss auch gesehen werden", sagt Sebastian Blum, der beim kalifornischen Start-up Cooliris die Geschäftsentwicklung verantwortet. Wenn man Glück hat, kommt man in die Auswahl, die Apple selbst auf der Startseite in seinem App Store vorstellt. Oder wird durch einen Bericht in einem der vielen Technologie-Blogs bekannt. "Alles darunter ist ein täglicher Kampf ums Überleben", sagt Blum.
Oft gelingt der Durchbruch auch nicht beim ersten Anlauf. Die finnische Firma Rovio leistete sich zunächst fast 40 Flops, bevor sie mit "Angry Birds" einen Mega-Hit landete. Das Spiel wurde inzwischen über 1,7 Milliarden Mal heruntergeladen, doch auch die Anziehungskraft der bösen Vögel lässt inzwischen nach – die verschiedenen Varianten sind in den App-Charts auf dem Weg nach unten. Und die Nachfolge-Spiele entwickelten auch im Kielwasser des Mega-Erfolgs nicht die gleiche Dynamik. Deswegen reitet Rovio jetzt ganz konventionell die "Angry Birds"-Welle und lizenziert seine Figuren für Fanartikel, Freizeitparks und eine Cartoon-Serie. (bsc)