Bertelsmann will RTL-Group-Anteile an die Börse bringen

Frisches Geld für die Expansionspläne des Medienriesen Bertelsmann: Bis zu 17,3 Prozent der Aktien der RTL-Group sollen in einem zweiten Börsengang auf den Markt gebracht werden – ein Milliardengeschäft. Die RTL-Aktie könnte in den MDax aufsteigen.

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  • dpa

Der größte europäische Medienkonzern Bertelsmann will einen milliardenschweren Teil seiner Aktien der Fernsehsender-Familie RTL Group an die Börse bringen. Wie vor zwei Monaten angekündigt werde Bertelsmann aber mindestens 75 Prozent der Anteile an seinem derzeit größten Geschäftsbereich behalten, teilte das Unternehmen mit. Derzeit liegt der Anteil bei 92,3 Prozent. Es sei eine Sekundärplatzierung, also ein zweiter Börsengang geplant. Der Erlös würde damit nicht der RTL-Group, sondern alleine Bertelsmann zufließen.

Die Aktien sollen voraussichtlich in Deutschland und Luxemburg privaten und institutionellen Anlegern im Rahmen eines öffentlichen Angebots offeriert werden, hieß es. Vorgesehen ist dann auch eine Notierung der RTL-Aktie an der Frankfurter Wertpapierbörse noch vor der Sommerpause. Bisher wird das Papier in Luxemburg und Brüssel gehandelt.

Bertelsmann hatte die Pläne Anfang Februar bestätigt, ohne dass eine endgültige Entscheidung gefallen war. Die RTL-Aktie verlor daraufhin kräftig an Wert. Die RTL Group wird derzeit mit 8,5 Milliarden Euro bewertet. 17,3 Prozent wären demnach knapp 1,5 Milliarden Euro wert. Da aber bisher nur 7,7 Prozent der Aktien frei gehandelt wurden, ist der tatsächliche Marktwert der Aktie ungewiss. Eine endgültige Verkaufsentscheidung sei darum abhängig vom möglichen Erlös, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Mit den Erlösen aus der Aktienplatzierung will Bertelsmann in Zukunftsbereiche investieren. Eine einzelne Großinvestition sei nicht geplant, hatte Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe zur Vorstellung der Jahresbilanz Ende März in Berlin betont.

Eine Reduzierung der Bertelsmann-Anteile würde den Anteil der frei gehandelten Aktien stark erhöhen, teilten die Vorstandschefs der RTL Group, Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch, mit. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant.

"Unabhängig davon, ob für die Berechnungen der Deutschen Börse künftig nur das 17,3-prozentige Paket oder die vollen 25 Prozent, also inklusive der bereits in Luxemburg gehandelten Stücke, zählen, ist die Fernsehsender-Gruppe ein unstrittiger MDax-Kandidat", sagte Index-Experte Uwe Streich von der LBBW in Stuttgart der Finanznachrichten-Agentur dpa-AFX.

Streich bezweifelte allerdings, dass es für eine Aufnahme Mitte Juni reicht. Dazu müsste der RTL-Anteil von Bertelsmann bereits Mitte April an die Börse gebracht werden, da ein Börsenneuling erst einmal 30 Handelstage notiert sein muss, um für eine Indexaufnahme infrage zu kommen. Der Börsengang wird gesteuert von der Deutschen Bank und Morgan Stanley.

Die RTL Group leistete auch 2012 den größten Beitrag zum Bertelsmann-Konzernergebnis. Vor allem RTL Deutschland hatte daran seinen Anteil: 35 Prozent des Umsatzes und die Hälfte des Ergebnisses der RTL Group stammten aus dem Deutschlandgeschäft. (anw)