.tel-Domains ab Dezember 2008
Nach langer Anlaufphase öffnet Betreiber Telnic die neue Top-Level-Domain zunächst für Markeninhaber. Im Frühjahr 2009 wir .tel nach einer Landrush-Phase dann frei registrierbar sein. Telnic bietet dazu einen Dienst, der an ENUM erinnert.
Ab 3. Dezember können Markenrechtsinhaber sich eine der neuen .tel-Domains sichern. Zwei Monate später öffnet der britsche Betreiber Telnic die neue Registry für den normalen Nutzer. Im Rahmen einer so genannten Landrush-Phase werden die neuen Adressen zunächst noch teurer sein und müssen für mindestens drei Jahre eingekauft werden. Ab dem 24. März 2009 sind die Domains dann allgemein verfügbar und könne jeweils für ein Jahr reserviert werden. Konkrete Preise gibt es noch nicht, zumal diese auch von den Registraren abhängen, die .tel anbieten werden. Rund 10 US-Dollar pro Domain und Jahr sind im Gespräch. Damit läge der Preis für .tel über dem klassischer Top Level Domains (TLD).
Von den klassischen TLD unterscheidet sich die "Neue" darin, dass die Registry über die reine Domainregistrierung hinaus noch einen Dienst anbietet. Zentral können bei Telnic sogenannte Naming Authority Pointer (NAPTR) für unterschiedliche Kommunikationsschnittstellen abgelegt werden. Eine .tel-Abfrage liefert so je nach Eintrag Rufnummern – gleich ob mobil, im Festnetz oder per Voip –, Emailadressen, Webseiten oder Standortdaten. Im Web selbst sehen die entsprechenden Verzeichnisseiten recht schlicht aus, wie etwa Telnic.tel zeigt. Die Website des Unternehmens selbst liegt unter einer .org-Adresse.
Der Clou soll laut Anbieter sein, dass man durch die zentrale Hinterlegung der Kommunikationsschnittstellen immer und überall über eine zentrale Adresse erreichbar wird. Das erinnert an ENUM-Domains (Telepone Number Mapping). Seit Jahren werden die mit eben dem Vorzug beworben, dass über den Eintrag der ohnehin vorhandenen Rufnummer als Domain (im Stil von 3.2.1.3.9.4.e164.arpa) die Brücke zwischen verschiedenen Kommunikationswegen geschlagen werden könne. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass Telnic eine recht simple Oberfläche zur Integration und weiteren Pflege der Daten und Kommunikationsdienste bietet.
Entwickler von ENUM – zu denen auch Mitglieder des Telnic-Entwicklungsteams gehören – versprechen, dass der Nutzer dabei die Kontrolle über seine NAPTR-Einträge haben werde. Mit Blick auf Datenschutzbedenken erlaubt die Anwendung auch eine gezielte Freigabe einzelner Datensätze für bestimmte Nutzer. Zwar bleiben aus Datenschützersicht mögliche Bedenken wegen der zentralen Speicherung der verschiedenen Kontaktdaten. Aber Telnic hat sich immerhin erfolgreich gegen ICANN gestellt als es um die Einschränkung der Offenlegung persönlicher Daten in der offenen Whois-Datenbank ging.
Telnic hatte mit einigem Widerstand insbesondere aus der Telekommunikationsbranche zu kämpfen. Im Jahr 2000 verhinderte die International Telecommunication Union eine erste Bewerbung. In der zweiten Runde legte die MTLD-Registry (.mobi), hinter der ein Konsortium von Mobilfunkunternehmen steht, bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), Widerspruch ein. Die ICANN winkte den Antrag 2006 schließlich durch. Seither hat Telnic am .tel-Start gebastelt. (Monika Ermert) / (vbr)