Vodafone übernimmt Mehrheit an Ghana Telecom

Der Telecomkonzern erwirbt vom westafrikanischen Staat 70 Prozent der Anteile an dem Festnetz- und Mobilfunkbetreiber.

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Der westafrikanische Staat Ghana verkauft 70 Prozent des bislang staatlichen Festnetz- und Mobilfunkbetreibers Ghana Telecom an Vodafone. Der Kaufpreis beläuft sich auf 900 Millionen US-Dollar (569 Millionen Euro). Die Genehmigung des Deals durch das ghanaische Parlament steht noch aus. Die restlichen 30 Prozent verbleiben laut Mitteilung vorerst bei der Regierung und könnten über die Börse verkauft werden. Im Zuge der Übernahme überlässt der Staat der Ghana Telecom auch den nationalen Glasfaser-Backbone, der mit einem chinesischen Kredit über 100 Millionen Dollar finanziert worden war.

Ghana Telecom ist der Ex-Monopolist im Festnetzbereich und betreut dabei rund 360.000 Kunden. Dies entspricht etwa 99 Prozent aller Festnetzanschlüsse und 90 Prozent aller ADSL-Endkunden. Im Mobilfunk ist das Unternehmen mit 1,4 Millionen Kunden (17 Prozent Marktanteil) der drittgrößte Anbieter. Der Umsatz stieg 2007 um 9,3 Prozent auf 290 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte der 22 Millionen Einwohner Ghanas ist unter 25. Es gibt über acht Millionen Mobilfunkanschlüsse, wovon 2,7 Millionen erst im vergangenen Jahr aktiviert wurden. Das Wachstum ist also rasant, die Penetration noch niedrig.

Ghana ist neben Ägypten das bis dato einzige Land Afrikas, in dem Vodafone sich als Mehrheitseigentümer engagiert. An der kenianischen Safaricom hält Vodafone 35 Prozent. Über Vodacom ist der Konzern zudem an Mobilfunkern in Südafrika, dem Kongo, Lesotho, Mosambik und Tansania beteiligt. Vodacom gehört zu gleichen Teilen Vodafone und der südafrikanische Telkom. Vodafone möchte jedoch die Mehrheit übernehmen und soll dem Partner bereits 2,45 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) für 12,5 Prozent der Vodacom-Anteile geboten haben.

Wie allAfrica.com berichtet, kritisieren oppositionelle Parlamentsabgeordnete das Vorgehen der ghanaischen Regierung. Sie habe nur mit einem einzelnen Bieter verhandelt, obwohl andere Interessenten wahrscheinlich mehr bezahlt hätten. Daher sei der Preis weit unter den Erwartungen geblieben, zumal auch noch der Glasfaserbackbone übergeben werde. Gespräche mit einem einzelnen potenziellen Erwerber widersprächen ghanaischem Recht, das eine offene Ausschreibung mit mehreren Teilnehmern vorsehe. Auch die Bedingung, dass der Käufer signifikante Erfahrung im Festnetzgeschäft mitbringen und bereits mindestens zehn Millionen Festnetzkunden aufweisen müsse, erfülle Vodafone nicht. Zudem seien Privatisierungsregeln der International Telecom Union (ITU) gebrochen worden. Die Oppositionellen sprachen sich nicht gegen den Verkauf aus, beklagen aber einen Mangel an Fairness und Transparenz. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)