Holtzbrinck versucht es mit Karrierenetzwerk
Aus der Startup-Schmiede des Verlagshauses kommt mit BusinessLive eine Mashup aus Stellenmarkt, Expertenportal und Social Network.
In Holtzbrincks eLab ist wieder ein Zögling zur Marktreife gepäppelt worden. Die Laboranten der verlagseigenen Startup-Schmiede mischen einen Online-Stellenmarkt mit ein bisschen Expertenportal und Social Network ab und nennen das dann BusinessLive. Das Portal soll nicht nur Arbeitgeber und Kandidaten zusammenbringen, sondern seinen Nutzern ganz allgemein bei der Karriereentwicklung helfen. "Finetuning your Success" heißt das in adäquatem Business-Neusprech.
Nutzer haben auf der Plattform die Möglichkeit, sich mit einem differenzierten Profil zu präsentieren. Das zusammen mit HR Diagnostics entwickelte Matching-Verfahren soll Arbeitgeber und geeignete Kandidaten anhand der Daten besser zusammenbringen, erklärt Geschäftsführer Arndt Salzburg. Der Arbeitgeber zahlt für jeden Nutzer, der sich seine Anzeige ansieht, und kann sein Budget nach dem Google-Prinzip begrenzen. Zusätzlich haben Nutzer Zugriff auf Jobangebote von Stellenanzeigen.de, ebenfalls eine Holtzbrinck-Tochter.
Doch will BusinessLive nicht ein reines Stellenportal sein. Anhand der detaillierten Angaben zu Fähigkeiten und Expertisen sollen sich Nutzer untereinander Aufträge vermitteln, zum Beispiel kleine Recherchen. An den Honoraren beteiligt sich BusinessLive mit einer Provision von 10 Prozent. Ein drittes Standbein für das Startup sollen kostenpflichtige Dienste werden. Die Grundmitgliedschaft kostet wie bei ähnlichen Netzwerken nichts, für eine Pro-Mitgliedschaft berechnet BusinessLive eine monatliche Gebühr von 5,95 Euro.
Die sollen nach den Vorstellungen der eLaboranten vor allem Angestellte aus dem mittleren und gehobenen Management entrichten. Diese Zielgruppe hat BusinessLive im Auge, doch rechnet Salzburg auch mit regem Zuspruch von Berufsanfängern und Freiberuflern. Mit wie vielen Mitgliedern bei Mehrheitseigner Holtzbrinck kalkuliert wird und mit welchen Umsatzerwartungen BusinessLive operiert, wollte der Geschäftsführer auf Nachfrage nicht verraten. Auch die Größenordnung der "kleinen Managementbeteiligung" hält er unter der Decke.
Eventuelle Datenschutzbedenken will Salzburg zerstreuen. Die teils sensiblen Informationen seien bei BusinessLive gut aufgehoben, Nutzer hätten weitgehende Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Zwar würden zum Beispiel Informationen über erhaltene Honorare in das interne Matching einbezogen, aber anderen Nutzern oder Dritten nie zugänglich gemacht.
Dass Datenschutz den Nutzern von Online-Netzwerken bei aller Freizügigkeit nicht völlig egal ist, mussten Holtzbrincks Online-Strategen zuletzt bei der Einführung neuer Werbeformen beim Studentenportal StudiVZ erleben, der Chef des Berliner Netzwerks nach "Missverständnissen" zerknirscht zurückrudern. Um die zu vermeiden, hätte ein Blick in die USA genügt: Facebook, ohnehin die Blaupause für Holtzbrincks klickstarkes Portal, hatte die gleichen Fehler schon gemacht. (vbr)