Promisurfen im US-Außenministerium

Mitarbeiter der Behörde sollen sich laut Datenschutzkontrolle für die Akten von Berühmtheiten interessiert haben. Jetzt droht ihnen die Entlassung.

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Von
  • Thomas Pany

Mitarbeiter des US-amerikanischen Außenministeriums haben sich offenbar einen Sport daraus gemacht, in den elektronischen Datenverzeichnissen von prominenten Sportlern, Fernsehunterhaltern und anderen Berühmtheiten herumzustöbern. Wie die Washington Post heute meldet, hat die für das Außenministerium zuständige Aufsichtsbehörde "Office of Inspector General" herausgefunden, dass die für das Ausstellen eines Passes nötigen Daten von 150 berühmten Amerikanern in den vergangenen fünfeinhalb Jahren über 4100 mal durchsucht wurden: das Ergebnis eines Tests zur Datensicherheit, der durch einen Vorfall im März angeregt wurde.

Damals wurde bekannt, dass private Mitarbeiter des Außenministeriums Einsicht in die Passdaten der Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain genommen hatten, desgleichen "überprüfte" ein Auszubildender des State Departments die Daten von Hillary Clinton. Diese Vorfälle riefen den "Generalinspektor" auf den Plan, der einen Bericht zur Datensicherheit anfertigen ließ. Demnach soll der Umgang mit Daten, welche die Grundlage für 127 Millionen amerikanische Pässe stellen, von lückenhafter Kontrolle, zahlreichen Schwächen und einem allgemeinen Fehlen von genaueren Vorgaben und entsprechender Ausbildung gekennzeichnet sein. In den Passdaten befinden sich Sozialversicherungsnummern, körperliche Merkmale und Angaben zu den Eltern.

Bei den Überprüfungen durch die Aufsichtsbehörde kam ans Licht, dass einige Mitarbeiter sich offensichtlich von den Daten Prominenter fasziniert zeigten. So wurden die Daten einer ungenannten Berühmtheit von etwa 70 Mitarbeitern 356-mal angeschaut. Normalerweise sollten die Angaben, die für einen Pass nötig sind, nur einmal alle fünf Jahre aufgerufen werden – oder zumindest sehr selten, so ein Vertreters des Ministeriums: Wenn der Pass verlängert wird und wenn ein Update nötig ist.

Die Liste der VIPs, die von der Aufsichtsbehörde angefertigt wurde, um das Verhalten der Ministeriumsmitarbeiter zu testen, wurde nach der Häufigkeit von Google-Abfragen nach bestimmten Prominenten, der Forbes-Liste der 400 reichsten US-Amerikaner und der Sports-Illustrated-Liste der 50 bestbezahlten Sportler zusammengestellt. Nach Angaben von Vertretern des State Department deutet allerdings nichts darauf hin, dass die Daten missbraucht wurden. Fünf Angestellte von privaten Firmen, die mit dem Außenministerium zusammenarbeiten, wurden laut Washington Post bereits entlassen, die Fälle von einem Dutzend anderer "Promischnüffler" werden noch untersucht.

In der Software von deutschen Einwohnemeldeämtern war nach Auskunft von Insidern einem solchen Vorgehen bereits in den neunziger Jahren ein "technischer Riegel" vorgeschoben: Fragte jemand die Daten von Prominenten wie Franz Beckenbauer nach, dann leuchtete angeblich "in der Chefetage ein rotes Licht" auf. So wurde das zumindest den Mitarbeitern erklärt. ()