Digitales Vergessen: Lagerfähigkeit bleibt Stärke von Filmmaterial
Zwar haben digitale Techniken in großem Maße Einzug bei der Postproduktion von Spielfilmen gehalten, immer mehr erweist sich dabei aber der gute alte Film nicht nur als das länger haltbare Medium, sondern auch als das kostengünstigere Format.
Zwar haben in den letzten 15 Jahren digitale Arbeitsweisen und Datenformate in großem Maße Einzug bei der Postproduktion von Spielfilmen gehalten, gleichzeitig führt der rasante Fortschritt der Computertechnik aber zu Problemen, wenn es um die Archivierung der Datenbestände und das Abspielen alter Datenträger geht. Immer mehr erweist sich dabei der gute alte Film nicht nur als das länger haltbare Medium, sondern auch als das kostengünstigere Format.
Wie schon aus Fernseharchiven bekannt, sind Negativ- oder Positivmaterialien generell sehr viel haltbarer als die Beschichtungen von Magnetbändern, die schon nach 20 bis 25 Jahren massive Ausfallerscheinungen zeigen. Wie das aktuelle Beispiel der sensationellen Wiederentdeckung der Urfassung des deutschen Science-Fiction-Klassiker Metropolis verdeutlicht, kann Filmmaterial auch nach Jahrzehnten noch vorgeführt oder kopiert werden – wobei das Metropolis-Material im Filmmuseum von Buneos Aires noch unter recht guten Bedingungen lagerte.
Ein noch extremeres Beispiel ist der fast achtzig Jahre als verschollen galtende Film Beyond the Rocks. Die einzige Zusammenarbeit der legendären Stummfilmstars Rudolf Valentino und Gloria Swanson (Sunset Boulevard) lagerte über Jahrzehnte auf dem Speicher des Hauses eines alten Filmvorführers. Trotz der schlechten Lagerbedingungen war nur ein dreiminütiges Fragment stark zersetzt, den Rest des knapp 90-minütigen Werkes konnte das Niederländische Filmmuseum ohne weiteres einscannen und im Jahr 2005 digital restaurieren.
Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles (welche jährlich die Oscars vergibt), hat im letzten Jahr eine umfangreiche Vergleichsstudie zu den Kosten von digitaler Speicherung und Archivierung auf Film vorgelegt. Bei ihren Recherchen traf die Kommission auf Beispiele, wo digitale Formate schon nach 18 Monaten nicht mehr zugänglich waren. Die Autoren fanden außerdem heraus, dass die Speicherung auf Filmmaterial die kostengünstigere Variante der Archivierung von Filmprojekten darstellt. Laut den Berechnungen der Akademie betragen die jährlichen Kosten der Archivierung eines 4K-Masters ungefähr das elffache einer Sicherung auf Filmmaterial (12.514 $ im Vergleich zu 1059 $).
Folglich wird es auch in Zukunft bei der gängigen Praxis aller großen Hollywood Studios bleiben, ihre Jahresproduktion, egal ob analog oder digital gedreht, zu Archivzwecken auf Film zu sichern.