Der IT-Hegemon in der Nato
Frankreich: Ein Vertrag zur Softwarenutzung zwischen dem Verteidigungsministerium und Microsoft steht in der Kritik. Die französische Armee kapituliere vor Microsoft.
- Thomas Pany
Die französische Armee kapituliere vor Microsoft, wirft das französische Politik- und Satiremagazin Canard Enchaîné dem Verteidigungsministerium vor und sorgt für einige Aufregung. Es geht um die anstehende Verlängerung eines vier Jahre alten Exklusivvertrages des Ministeriums mit dem amerikanischen Software-Unternehmen. Das Magazin, das sich in Frankreich einen soliden Ruf durch seriöse Enthüllungen erworben hat, berichtet in der neuesten Ausgabe von der bevorstehenden Verlängerung des Vertrages, der umstritten ist, nicht zuletzt, weil er unter Ausschluss anderer Bewerber zustandekam.
Im Mai steht die Verlängerung des Vertrages an. Nach Informationen des Canards spricht sich der Leiter des für die IT der Armee zuständigen Amtes im Verteidigungsministerium (DIRISI), Patrick Bazin, für eine Verlängerung des Vertrages aus mit einem Argument, das in Frankreich auf besondere Empfindlichkeiten stößt: Weil es die Nato auch so halte. Deren Verwaltung habe sich für Lösungen von Microsoft entschieden. Um die gute Zusammenarbeit mit den Verbündeten zu gewährleisten, sei es besser, wenn das französische Verteidigungsministerium auch danach verfahre, lässt Bazin verstehen.
Das Argument stößt insbesondere bei der Vereinigung APRIL (Association de promotion et de défense du logiciel libre), die für die Verbreitung freier Software eintritt, auf scharfe Kritik: Zusammenarbeit bestehe im Funktionieren innerhalb eines Ensembles von Systemen, nicht in der Hegemonie eines einzigen Zulieferers, moniert der Sprecher der Vereinigung. Darüberhinaus weist er auf mögliche Sicherheitsrisiken der Software aus dem Haus Microsoft hin und beruft sich dabei wiederum auf Informationen des Canard.
Demzufolge warnen Experten aus dem französischen Verteidigungsministerium davor, dass der amerikanische Geheimdienst NSA "systematisch Hintertüren in Software" einbaue, die exportiert werde. So könne die französische Armee via amerikanische Software ausspioniert werden.
Das französische Verteidigungsministerium widerspricht dem entschieden. Wenn es auch nur das kleinste Risiko hierfür gebe, hätte man dem Vertrag niemals zugestimmt, berichtet der Nouvel Observateur aus dem Ministerium. Das französische Nachrichtenmagazin bezeichnet den Vertrag dennoch als "peinlich". Denn ausgehandelt wird er mit der Microsoft-Filliale, die ihren Sitz in Irland hat und nicht in Frankreich, aus Steuergründen. ()