Henkel-Chef Lehner wird oberster Aufseher der Telekom
Wie erwartet wird der scheidende Chef des Henkel-Konzerns an die Aufsichtsratsspitze bei der Telekom wechseln. Der 61-Jährige gibt sein Amt bei dem Waschmittel-Riesen Mitte April auf.
Der scheidende Henkel-Chef Ulrich Lehner wird wie erwartet neuer Aufsichtsratsvorsitzender bei der Deutschen Telekom. Der Manager werde per Gericht in den Aufsichtsrat bestellt, teilte die Telekom am Mittwoch nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Bonn mit. Lehner folgt dem früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel, der den Posten im Zuge der Steueraffäre räumen musste. Bis zur Bestellung von Lehner soll Klaus Schlede vorübergehend das Gremium leiten.
Lehner ist begeisterter Marathonläufer. Ob Düsseldorf oder New York – wenn es sein Terminplan erlaubt, tritt der 61-Jährige gern zu einem Langstreckenlauf an. Bei Henkel ist Lehner nach mehr als zwei Jahrzehnten aktiver Tätigkeit kurz vor der Ziellinie. Mit der Hauptversammlung am 14. April tritt er als Vorsitzender der Geschäftsführung ab. Doch ans Aufhören denkt der agile Manager nicht. Im Gegenteil, ein Spitzenamt kommt jetzt hinzu: Lehner übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz bei der Deutschen Telekom.
Während andere Chefs von DAX-Konzernen häufig gerne im Rampenlicht stehen, hält sich Lehner vornehm zurück. Richtig bekannt ist "Mister Persil" eigentlich nur in Fachkreisen. Bei dem familiendominierten Unternehmen Henkel steht die Firma im Vordergrund. Mit vorsichtigen Geschäftsprognosen nährte Lehner den Eindruck, dass bei Henkel Zurückhaltung hoch im Kurs steht. Er müsse aufpassen, nicht zum Tiefstapler des Jahres gekürt zu werden, hieß es einmal über den Henkel-Chef.
Lehner ist nach Helmut Sihler und Hans-Dietrich Winkhaus der dritte Henkel-Chef, der nicht aus der Familie des Firmengründers stammt – und der dritte Aufsichtsratschef der Telekom der aus dem Hause des Konsumgüterkonzerns kommt. Der Finanzexperte und Wirtschaftsprüfer ist mit Ausnahme einer dreijährigen Unterbrechung bereits seit 1981 für Henkel tätig. Den Vorsitz der Geschäftsführung übernahm er 2000. Unter seiner Regie wurden die Weichen für milliardenschwere Zukäufe im Ausland gestellt. Ein Meilenstein war der Kauf des zweitgrößten US-Waschmittelherstellers Dial.
Der gebürtige Düsseldorfer und Vater von drei Kindern ist in der Spitzenliga der deutschen Wirtschaft gut vernetzt. Lehner sitzt seit längerem unter anderem in den Kontrollgremien von E.ON und Porsche. Im Januar diesen Jahres zog er in den Aufsichtsrat von ThyssenKrupp ein.
Gut gewappnet ist Lehner für seine neue Aufgabe bei der Telekom: Sein engster Berater in Telekom-Fragen wird künftig Thomas Geitner sein, der sich in dieser Branche bestens auskennt und ab März in die Henkel-Geschäftsführung eintritt. Fast sieben Jahre hatte Geitner dem Vorstand des Vodafone-Konzerns angehört und war schon einmal als ein Kandidat für den Chefsessel bei der Telekom gehandelt worden. (Volker Danisch, dpa) / (vbr)