"Wie arbeitet Ihre Zeitmaschine, Herr Colfer?"

Coole Gadgets und schräge Elfen haben Eoin Colfer berühmt gemacht. Im Gespräch mit TR verrät der Bestseller-Autor der Artemis-Fowl-Serie, welchen Dreh für Zeitreisen er in der neue Serie „W.A.R.P.“ gefunden hat und mit welchen Naturalien er für Ideen bezahlt.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Coole Gadgets und schräge Elfen haben Eoin Colfer berühmt gemacht. Im Gespräch mit TR verrät der Bestseller-Autor der Artemis-Fowl-Serie, welchen Dreh für Zeitreisen er in der neue Serie „W.A.R.P.“ gefunden hat und mit welchen Naturalien er für Ideen bezahlt.

TR: Ihre Artemis-Fowl-BĂĽcher sind voll mit Hightech-Gadgets. WĂĽrden Sie sich als Nerd oder Geek bezeichnen, Mister Colfer?

Eoin Colfer: Geek ist ja eher eine Bezeichnung für Leute, die keine Freunde haben. Ich aber habe sogar zwei Freunde! Also entkomme ich der Definition knapp. Ich habe mich allerdings schon immer für Gadgets, Wissenschaft und Science-Fiction-Serien interessiert, bin also definitiv ein Nerd. Nur könnte ich niemals als Klingone verkleidet auf die Straße gehen.

Dafür haben Sie sich für den letzten Band Käfer ausgedacht, die mit Säure Glas auflösen können. Erfinden Sie solche Sachen einfach, oder recherchieren Sie die Technik für Ihre Bücher?

Ich versuche meine Ideen eher aus der realen Wissenschaft zu entleihen als aus verrückten Träumen. Mein Bruder ist Elektroingenieur und bringt mich manchmal auf Einfälle. Ich nutze zudem Webseiten, auf denen neue Erfindungen vorgestellt werden. „National Geographic“ und „Wired“ sind auch gute Quellen für Ideen. Die extrapoliere ich dann noch ein bisschen. Im siebten Buch etwa will Artemis die Gletscher retten und entwickelt eine Art Schnee, um sie damit abzudecken. Ich glaube, so etwas ist technisch schon möglich, damit sie nicht so schnell schmelzen.

Ja, das wurde auf der Zugspitze tatsächlich so ähnlich gemacht. Demnach können Sci-Fi-Autoren beim heutigen Tempo des technischen Fortschritts ziemlich schnell alt aussehen, oder?

Was heute Science Fiction ist, kann in zwei Wochen schon eine Tatsache sein. Aber wenn man Sci-Fi-Geschichten schreibt, muss man dieses Risiko eingehen. Ich habe zum Beispiel [für eines der früheren Fowl-Bücher] den sogenannten Cube erfunden – einen Supercomputer, der mit jedem anderen Gadget kommunizieren und drahtlos aufgeladen werden kann. Ich hatte noch nicht mal fünf Jahre was von der Idee, dann kam das iPhone. Wer das Buch heute liest, den erinnert der Cube ans iPhone, und er denkt: Was ist so toll daran?

Wie packt man Technik am besten in Geschichten?

Ich denke mir gern Gadgets aus, beschreibe die technischen Details aber sparsam. Es gibt Bücher mit zehnseitigen Beschreibungen eines russischen U-Boots. Aber wenn man sich derart in den Details verliert, dann klingt es arg bemüht. Im täglichen Leben haben die Menschen ja auch nicht das Bedürfnis, ständig zu erklären, wie ihre Maschinen funktionieren. Deshalb streue ich nur kleine Details ein, die dann natürlich plausibel genug klingen müssen, damit sie realistisch wirken.

(vsz)