Das Internet als Spiegel des Integrationsstatus von Migranten

Deutschrussen, die erst Anfang der neunziger Jahre nach Deutschland kamen, halten online vor allem Kontakt zu ihrer Verwandschaft in Russland. Deutschtürken, die schon länger hier leben, tauschen sich eher über ihren Alltag in Deutschland aus.

vorlesen Druckansicht 147 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Deutschtürken tauschen sich in Internet-Foren über ihren Alltag in Deutschland aus, Deutschrussen hingegen bleiben online vor allem mit der Verwandtschaft in Russland in Kontakt. Das sind Ergebnisse, die auf der Tagung "Migration, Internet und Politik. Potenziale für Partizipation, Kommunikation und Integration" vergangene Woche in Münster diskutiert wurden. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forschungsprojekts "Politisches Potenzial des Internet" am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster statt.

Migranten fühlten sich häufig in den konventionellen Medien unterrepräsentiert. Das Internet biete ihnen hingegen eine Möglichkeit, sich über Probleme auszutauschen, sagt Projektleiter Dr. Uwe Hunger vom Institut für Politikwissenschaft. Im Internet spiegele sich der Integrationsstatus der unterschiedlichen Migrantengruppen wider: Deutschtürken, die schon in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland lebten, schrieben in Foren oft über Deutschland und verwiesen auf deutsche Quellen. Deutschrussen, die erst Anfang der neunziger Jahre hierher gekommen seien, verständigten sich im Internet mit ihren Freunden und Verwandten noch überwiegend auf Russisch und bezögen sich auch eher auf russische Quellen.

Bisher gebe es zum Thema Migration, Internet und Politik kein wissenschaftliches Forum. Daher sollte die Tagung den Austausch von Wissenschaftlern fördern, die sich mit ähnlichen oder angrenzenden Fragestellungen beschäftigen, erläuterte Projektmitarbeiterin Dr. Kathrin Kissau. Neben der Frage, welches Potenzial das Internet für Migranten und ihre Selbstorganisation entfalten kann, geht es ihrem Forschungsprojekt unter anderem auch um die daraus resultierenden Einflüsse auf politische Ereignisse sowohl im Aufnahme-, als auch im Herkunftsland. (anw)