Patientencoaching soll den informierten Patienten unterstützen

Aktive informierte Bürger sollen durch bürgerorientiertes Coaching und Fallmanagement ihre Gesundheit mitgestalten und die Gesundheitstelematik nutzen, fordert die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung.

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  • Detlef Borchers

Auf einer Tagung zum Patienten- und Gesundheitscoaching hat die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung (DGbG) eine Gesundheitsversorgung in Deutschland gefordert, die der Bürger versteht, annimmt und sich mit ihr identifiziert. Aktive informierte Bürger sollen durch bürgerorientiertes Coaching und Fallmanagement ihre Gesundheit mitgestalten und die Gesundheitstelematik nutzen. Gesundheitscoaches sollen etwa dabei helfen, eine digitale Gesundheitsakte zu führen oder in der überbordenden Fülle von Gesundheits- oder Krankheitsinformationen im Internet die Webseiten zu finden, die verlässliche Informationen bieten. Im Krankheitsfall soll es Hilfe bei der Lebensplanung und der Wahl der Therapiemaßnahmen geben und so den Arzt entlasten.

Nach den Vorstellungen der DGbG ist der Gesundheitscoach eine ausgebildete Krankenschwester oder ein Krankenpfleger mit einer zusätzlichen Coach-Qualifikation, in einem Call-Center oder via Internet mit den Versicherten kommunizierend. In einem zur Tagung veröffentlichten Buch über das medizinische Coaching heißt es, dass der ausgebildete Berater für den Patienten im Internet die Spreu vom Weizen trennen helfe und neue Lebenspläne entwickele. Als äußeres Gewissen sei er darauf spezialisiert, die "Non-Compliance" der Patienten (Nichteinnahme verschriebener Medikamente) zu überwinden. Über das Call-Center erreichbar, soll der Coach mit dem Handy in den Urlaub "mitgenommen" werden, was mit dem Hausarzt nicht ohne weiteres möglich sei. Die Coaches sollen nach dem Brannenburger Modell zwischen Arzt und Patient geschaltet werden.

Bislang gibt es solche Coaches nur ansatzweise als Diabetesberater oder im Umfeld der HIV/AIDS-Hilfe, wie etwa den Verein für Gesundheitstraining. Hier arbeiten Trainer in Gesprächsgruppen mit großem Erfolg daran, infizierten Menschen beim Weiterleben zu helfen. Das soll sich aber mit der Einführung der medizinischen Telematik ändern. Firmen wie Accenture, IBM oder Siemens planen umfangreiche CRM-Systeme für das Gesundheitscoaching. Mit rund 100 Arbeitskräften errichtet der amerikanische Dienstleister Healthways im brandenburgischen Henningsdorf sein erstes Call-Center. Zusammen mit den Kaufmännischen Krankenkassen erprobt Accenture sein Konzept des Gesundheitscoaches (PDF-Datei) in zwei Versorgungszentren in München und Halle. 18 Coaches mit Pflegeausbildung und zusätzlicher Ausbildung im "Shared Decision Making" des hinter der Dienstleistung liegenden CRM-Systems arbeiten mit 417 Teilnehmern. Wie Thomas Zahn von Accenture auf der Tagung berichtete, schätzten die Patienten vor allem, dass geschultes Fachpersonal ausreichend Zeit am Telefon hat, weil Ärzten oftmals die Zeit zum Zuhören fehle.

In dem Rahmen, in dem die IT mit der elektronischen Gesundheitskarte und vor allem mit den elektronischen Patientenakten Einzug in den Alltag halten werden, wird sich nach den Vorstellungen der DGbG der Patientencoach als neues Berufsbild etablieren. Im Idealfall wird er zum Gesundheitscoach, der wie ein Fahrlehrer seinen Schützling nach der Umstellung der Lebensgewohnheiten entlassen kann. Im Ernstfall wird er zum Case Manager, der mit seiner Backend-IT die organisatorische Verantwortung für die Behandlung eines Erkrankten übernimmt.

Siehe dazu auch den Online-Artikel in c't – Hintergrund mit Links zur aktuellen und bisherigen Berichterstattung über die elektronische Gesundheitskarte und die Reform des Gesundheitswesens:

(Detlef Borchers) / (jk)