US-Firma: 2,5 Gigabit/s per Stromkabel
Das in Dallas, Texas, beheimatete Unternehmen Media Fusion meldet einen Durchbruch bei der DatenĂĽbertragung ĂĽber Stromleitungen.
Das in Dallas, Texas, beheimatete Unternehmen Media Fusion will einen Durchbruch bei der Datenübertragung über Stromleitungen erzielt haben. Die Firma hat nach eigenen Angaben US-Patente für ein System erhalten, das theoretisch 2,5 Gigabit pro Sekunde übertragen und mehr als 3000 Kilometer ohne Regenerator überbrücken kann. Der Wert liegt um Größenordnungen höher als bei aktuellen Übertragungsmedien wie Telefonleitung, TV-Kabel und Glasfaser. Wegen der hohen Reichweite nennt Media Fusion sein System "Powerline Area Network" (PAN).
Bei allen Übertragungssystemen ist die Reichweite mit ausschlaggebend für deren Erfolg. Kürzlich erst hatte sich der kanadische Kommunikationsriese Nortel aus der Entwicklung der Powerline-Technik zurückgezogen, weil er dem eigenen System keinen kommerziellen Erfolg zutraute. Das Verfahren nutzt nicht das gesamte Stromnetz für den Datentransport, sondern nur den einige hundert Meter langen Teil ab dem Transformator, in das ein Verteiler das Datensignal einspeist. In den USA sind aber meist nur eine Handvoll Haushalte an einen Transformator angeschlossen. Im Verhältnis zur möglichen Kundenzahl wäre die benötigte Menge der Verteiler zu hoch gewesen, kommentierten Fachleute Nortels Ausstieg. Das texanische System soll dagegen mit wenigen Regeneratoren auskommen, und da das Signal angeblich auch über den Transformator hinwegreicht, würde Media Fusion auch nur wenige Einspeisepunkte benötigen -- der Installationsaufwand wäre drastisch niedriger.
Über Einzelheiten des Verfahrens schweigt sich das Unternehmen aus -- angeblich weil es fürchtet, dass seine Erfindung abgekupfert wird. Einzige Andeutung: Während Ascom oder Siemens die Trägersignale durch die Kupferader senden und dort zahlreichen wechselnden Störungen von Haushaltsgeräten begegnen, behauptet Media Fusion, "Mikrowellensignale über das Magnetfeld" zu senden, welches der Strom beim Durchgang durch die Leitung erzeugt. "Klingt nach Voodoo", sagt mancher Experte angesichts fehlender physikalischer Beschreibungen des Verfahrens.
Andererseits konnte Media Fusion anscheinend immerhin einen US-Stromerzeuger von seinem System überzeugen: Dem Vernehmen nach ist zusammen mit Cimmaron Electric aus Oklahoma ein Feldversuch mit 1500 Teilnehmern geplant. Vielleicht beantwortet das Projekt, das in den nächsten Monaten starten soll, dann nicht nur die Frage, ob das Verfahren brauchbar ist, sondern auch wie es sich mit Funkdiensten verträgt, die denselben Frequenzbereich nutzen. (dz)