E-Books: „Die Leute wollen keine Anreicherungen"

Die Deutschen lesen immer mehr E-Books. Die Frage, wie mit digitaler Literatur Geld verdient wird, ist aktueller denn je – und wird höchst unterschiedlich beantwortet, wie die Konferenz "TOC buchreport" in Berlin zeigte.

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Von
  • Johannes Haupt

Wollen Digital-Leser 1:1-Adaptionen gedruckter Literatur oder aufwendige multimediale Präsentationen – und wie bekommt man sie dazu, angemessene Preise dafür zu bezahlen? Diesen und weiteren Fragen gingen rund 100 Köpfe der Buchbranche am heutigen Dienstag auf der Konferenz "TOC buchreport" in Berlin nach.

Auf Händlerseite wird der Kuchen gegenwärtig höchst ungleich verteilt, ein großer Teil des E-Book-Absatzes läuft über Amazon. Dagegen stellt eine Allianz aus Weltbild, Thalia, Bertelsmann und der Telekom ein gemeinsames E-Reading-Projekt und brachte Anfang März den Reader Tolino in den Handel.

Weltbild-Chef Carl Halff zog in Berlin eine erste Bilanz: Die sehr ehrgeizigen Absatz- und Bekanntheitsziele habe man bislang erreicht. Halff erwartet, das in Deutschland im Jahr 2013 insgesamt 1,4 Millionen E-Book-Reader verkauft werden, mindestens 570.000 davon sollen Tolinos sein. Ein eigenes Tolino-Tablet sei ebenso ein Thema wie die Internationalisierung des Tolino, Gespräche mit ausländischen Händlern würden bereits geführt.

Köpfe der Branche im Gespräch: Piper-Verleger Marcel Hartges, S.-Fischer-Verleger Michael Justus, Weltbild-Chef Carl Halff, Bookwire-Geschäftsführer Jens Klingelhöfer (von links nach rechts)

(Bild: Johannes Haupt)

Auch Verlage profitieren in sehr unterschiedlichem Maße vom E-Book-Markt: Während Aufbau nach eigenen Angaben bereits über 15 Prozent seines Umsatzes mit E-Books macht, sind Piper (Bonnier) und S. Fischer (Holtzbrinck) noch im einstelligen Prozentbereich. Digitale Belletristik funktioniere generell deutlich besser als Sachbücher, sagen Verlagsvertreter.

Piper-Verleger Marcel Hartges betonte, man konzentriere sich im E-Book-Bereich auf die weitgehend originäre Übertragung gedruckter Literatur in den digitalen Raum. Tests hätten ergeben: „Die Leute wollen keine Enhancements, sie wollen einfach nur lesen." Sie wollten vor allem keine Apps zu E-Book-Preisen. Für Verlage sei das eine gute Nachricht.

Fischer-Verleger Justus ergänzte: „Wir werden definitiv keine App-Entwickler beschäftigen." Gegen Amazon und asiatische Entwickler käme man ohnehin nicht an. Man müsse sich auf seine Stärken wie ein gutes Lektorat und Korrektorat konzentrieren – „Amazon kümmert es nicht, ob das dritte Komma richtig sitzt."

Andere Verleger widersprachen und setzen auf andere Strategien. Helmut Pesch berichtete, in seinem Verlag Bastei Lübbe habe man für eine sechsstellige Summe das Fantasy-Epos Apocalypsis als digitalen Serienroman entwickelt und sei damit bereits in den schwarzen Zahlen. Quinto-Verleger Ralph Möllers warnte davor, sich nur auf seine traditionellen Stärken zu konzentrieren – dieser Markt werde immer spitzer. Und Jens Klingelhöfer vom Distributor Bookwire riet den Verlagen, den Anspruch zu haben, ihre Inhalte ins richtige Format zu packen und zielgruppengerecht vermarkten zu können. Dafür seien jetzt zwingend Investitionen erforderlich. (axk)