Bilanz: Ein Jahr im Plusenergiehaus

Seit Mai 2012 wohnt eine Berliner Familie in einem besonderen Energieeffizienzhaus. Es produziert mehr Strom, als es verbraucht, und regelt vieles selber. Doch es gibt noch einige Kinderkrankheiten.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Das Effizienzhaus Plus, Aushängeschild und Forschungsprojekt des Bundesbauministeriums, soll mehr Energie produzieren, als es verbraucht. Genau gesagt: Solarstrom in Höhe von 16000 Kilowattstunden im Jahr. Der Überschuss reicht für das Elektroauto und ein -fahrrad. Vor einem Jahr zog eine Familie in das Testhaus und zieht nun in der neuen Ausgabe von Technology Review Bilanz (hier können Sie das Heft bestellen).

Zwei Große, ins Dach und in die Südfassade integrierte Dünnschicht-Solarpaneele produzieren Strom, der, wenn die Familie ihn nicht unmittelbar braucht, in Batterien gespeichert oder ins Stromnetz eingespeist wird. Sämtliche Küchengeräte von der Geschirrspülmaschine bis zum Kühlschrank sind auf minimalen Verbrauch ausgerichtet und genügen den besten Energieklassen. Für die Beleuchtung sind besonders energiesparende Leuchtdioden in die Decke eingelassen. Heizung und Lüftung regeln sich je nach Wetterbedingungen selbst Sensoren überwachen permanent die Temperatur und die Luftfeuchte im Haus. Das Licht reagiert auf Bewegungsmelder.

Allerdings fühlten sich die Bewohner gleich vom ersten Tag an unbehaglich in dem smarten Haus: Die große Glasfassade zur Straße hin gewährt jedem Fußgänger Einblick. Laut Ministerium dieses „Schaufenster“ gewollt. Die Familie fühlt sich dadurch allerdings zu sehr auf dem Präsentierteller. Auch produzierte das Haus weniger Strom als erwartet: Der Grund waren zu wenige Sonnenstunden.

Auch die „Smarthome“-Technologie erwies sich nach Ansicht der Bewohner als überflüssig: Im Hausflur im Erdgeschoss ist ein Touchscreen in die Wand eingelassen. Hier kann die Familie in die Steuerung der Haustechnik eingreifen – ein Konzept, das sich als „Smarthome“-Technologie verbreitet. Über diese Zentralsteuerung lassen sich etwa die Steckdosen vom Netz trennen, um Stand-by-Verluste bei Elektrogeräten zu vermeiden. Auch die Heizung, über die Innentemperatur automatisch geregelt, kann über den Touchscreen manuell aufgedreht oder gedrosselt werden. Allerdings funktionierte sie nach Ansicht der Bewohner nicht richtig. Sie fiel zeitweilig aus und verbrauchte mehr Energie als erwartet. Probleme machte auch die Lüftungsanlage, die viel mehr Luft umsetzte als geplant.

Weiterlesen in Technology Review 05/2013:

Anmerkung der Redaktion: Dies ist eine aktualisierte und korrigierte Fassung. (jlu)