Offshore-Branche bangt um Windpark-Finanzierung

Der Ausbau der Offshore-Windenergie wird teurer als gedacht. Mehrere Projekte liegen auf Eis. Die Branche gibt der Bundesregierung die Schuld. Sie habe mit ihren Plänen für eine Strompreisbremse Investoren und Banken verunsichert.

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  • dpa

Die Diskussion um eine Strompreisbremse hat nach Angaben des Windenergie-Netzwerks MV zum vorläufigen Stopp von mindestens sechs Offshore-Projekten geführt. Seit Anfang 2013 seien in der gesamten Branche keine neuen Aufträge ausgelöst worden, sagte der Vorsitzende des Unternehmensnetzwerks, Andree Iffländer am Mittwoch bei der Konferenz "Wind & Maritim 2013" in Rostock. Auch wenn inzwischen der Eingriff in bestehende Anlagen zurückgenommen worden sei, werde ein Auftragsloch kommen. Die Unternehmen investierten voller Vertrauen riesige Summen, aber die Banken seien äußerst sensibel gegenüber solchen politischen Äußerungen. "Wir werden vermutlich bis nach der Bundestagswahl im Offshorebereich keine neuen Aufträge mehr sehen."

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatten einen erneuten Anstieg der Umlage für Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz verhindern wollen. Bund und Länder konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Die Umlage könnte nun laut Altmaier-Ressort dieses Jahr von 5,28 auf 7 Cent je Kilowattstunde steigen.

Die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche, betonte die Notwendigkeit, trotz des Scheiterns der Strompreisbremse den Ausbau der erneuerbaren Energien wirtschaftlich verträglich neu zu organisieren. Der gute Leumund dieser Technologien und die heutige 80-prozentige Zustimmung in der Bevölkerung dafür dürften nicht gefährdet werden. Die Umlage könnte laut Umweltministerium in diesem Jahr von 5,28 auf 7 Cent je Kilowattstunde steigen. Altmaier wollte deshalb die Ökostrom-Umlage bis Ende 2014 einfrieren.

Die Staatssekretärin im Schweriner Energieministerium, Ina-Maria Ulbrich, kritisierte die Bundesregierung, weil sie Verunsicherung geschürt habe, und forderte eine ehrliche Diskussion. Bei Betrachtung von 20 Jahren Laufzeit von Windanlagen liege die Vergütung bei 10,5 Cent pro Kilowattstunde, bei Solarstrom dagegen bei 11 Cent. Es werde auch oft vergessen, dass die Kernenergie seit den 70er-Jahren mit 200 Milliarden Euro subventioniert worden. "Die erneuerbaren Energien sind am Preis gemessen die ehrlichen Energien - es verstecken sich keine Folge- und Nebenkosten", sagte Ulbrich.

Verlässlichkeit in die Politik und stabile Rahmenbedingungen sind für den Europachef des dänischen Windkraftanlagenherstellers Vestas, Thomas Richterich, das Grundelement jeglichen Handelns. Er machte deutlich, dass sein Unternehmen für die Entwicklung einer neuen Offshore-Turbine mehrere Hundert Millionen Euro investieren muss. Auch Vestas als Weltmarktführer müsse sich dafür das Geld bei Banken holen. Wenn sich der Markt wie derzeit verschiebt, bedeute dies, dass das notwendige Geld nicht rechtzeitig verdient werden könne.

Eine typische Anlage der ersten Offshore-Generation, wie sie beispielsweise beim EnBW-Windpark Baltic 1 vor der Halbinsel Fischland-DarĂź-Zingst eingesetzt wird, habe eine Leistung zwischen 2 und 3 Megawatt und einen Rotordurchmesser bis zu 120 Metern. Anlagen der modernsten Generation werden eine Leistung bis zu 8 Megawatt haben und Durchmesser bis zu 170 Metern. Mit solchen Anlagen sei auch eine Grundlastversorgung gut vorstellbar. Windparks mit solchen Anlagen seien wichtig, um die Energiewende mit bezahlbarem Strom zu schaffen. "NatĂĽrlich ist das alles ein Abenteuer", sagte Richterich. (jk)